Schüleraustausch in Zeiten von Corona – Viele haben ihren Aufenthalt vorzeitig beendet

24. 06. 2020 um 12:53:05 Uhr | BremenNews-Redaktion
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Für viele Austauschschüler in Bremer Gastfamilien kam die Corona-Krise überraschend und schnell stellte sich die Frage: Vorzeitig abreisen oder zusammen mit der Gastfamilie das Beste daraus machen? Laut der gemeinnützigen Austauschorganisation „Experiment e.V.“ sind von den rund 200 Jugendlichen, die jährlich einen Austausch über die Organisation absolvieren, etwa drei Viertel in ihre Heimatländer zurückgekehrt.

Trotz veränderter Bedingungen gehen die meisten Gastfamilien und Austauschschüler souverän mit ihrer Austauscherfahrung um, erklärt der gemeinnützige Verein. Insgesamt blieben von rund 200 Schülern um die 50 Jugendliche für ihren Aufenthalt in Deutschland.

Familie Lange aus Bremen beispielsweise hat seit Februar 2020 ein neues Familienmitglied auf Zeit: Thomas aus Neuseeland wohnt für 10 Monate als Austauschschüler bei ihnen. Aufgrund der Corona-Krise verläuft der Aufenthalt ihres Gastsohns, aber auch der ihres eigenen Sohns Clemens, der mit dem Patenschafts-Programm ein Jahr in den USA bleiben wollte, anders als geplant. Sein Aufenthalt in den USA wurde im März beendet. Thomas hingegen wurde es freigestellt zu bleiben. Die Familie sieht in der Rückkehr von Clemens auch etwas Gutes: “Jetzt hat Thomas einen gleichaltrigen Gastbruder mit ähnlichen Interessen und Erfahrungen und er lernt sehr schnell sehr viel”, so Johanna Köster-Lange. “Wir sind froh, dass Thomas immer noch bei uns ist und wir diese Zeit alle gemeinsam als Familie mit gesprächigen Kaffeepausen und ausgiebigen Kochabenden verbringen können.”

Gemeinsame Zeit schweißt zusammen

Eine weitere Gastfamilie, die von der Corona-Pandemie überrascht wurde, ist Familie Kokkelink aus Alfter. Seit August 2019 wohnt Giulia aus Italien für 10 Monate als Austauschschülerin bei ihnen und auch ihre gemeinsame Zeit läuft anders als geplant: “Als Mitte März die Schule geschlossen wurde, haben sich Giulia und unsere Tochter zunächst über die Unterbrechung gefreut. Doch dann kam die Nachricht, dass Giulias Organisation in Italien den Austausch abbricht – eine Entscheidung, die uns alle schwer getroffen hat”, so Gastmutter Kirsten Kokkelink. “Wir haben versucht, den Schock gemeinsam zu überwinden. Kurze Zeit später kam die freudige Nachricht, dass, wenn alle Parteien zustimmen, Giulia doch bleiben kann – eine hochemotionale Zeit für uns!” Auch wenn einige geplante Unternehmungen nicht stattfinden konnten, versucht die Familie das Beste aus der Situation zu machen. Durch die gemeinsamen Stunden zu Hause bleibt Zeit zum ausgiebigen Austausch: “Die besonderen Umstände haben uns ermöglicht, dass wir uns nochmals intensiver kennengelernt haben.”

Austauschprogramm soll wieder aufgenommen werden

Auch wenn noch nicht sicher gesagt werden kann, ob trotz Corona alles nach Plan läuft, rechnet die Bonner Organisation mit der Ankunft zahlreicher internationaler Jugendlicher zwischen 15 und 18 Jahren, die für drei Monate bis ein Schuljahr in Deutschland bleiben möchten. Deswegen sucht Experiment e.V. Gastfamilien in Bremen und Umgebung, die bereit sind, ein Gastkind ab voraussichtlich Ende August bei sich aufzunehmen. Gastfamilie kann fast jeder werden – egal ob Alleinerziehende, Paare mit oder ohne Kinder oder Patchwork-Familien, egal ob in der Stadt oder auf dem Land. Wichtig sind vor allem Humor, Neugier und Toleranz sowie die Bereitschaft, den Gast als “Familienmitglied auf Zeit” aufzunehmen. Wer Interesse hat, kann sich an die Geschäftsstelle von Experiment e.V. in Bonn wenden. Ansprechpartnerin ist Kerstin Overs de Gutierrez. Sie ist erreichbar unter der Telefonnummer (0228) 957 22 41 oder per Mail unter overs@experiment-ev.de. Weitere Informationen gibt es unter www.experiment-ev.de/gastfamilie-werden.

Bild: Familie Kokkelink und ihre Austauschschülerin Guilia hat die Corona-Krise noch enger zusammengeschweißt. Bildquelle: privat / Experiment e.V.




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