Privatinsolvenzen sinken… und steigen

04. 03. 2021 um 11:28:34 Uhr | BremenNews-Redaktion
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Die Privatinsolvenzen sind in Deutschland im Jahr 2020 trotz der Corona-Pandemie erneut gesunken. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 56.324 private Insolvenzen und damit 35,1 Prozent weniger als 2019. Doch Bremen bleibt Spitzenreiter.

Die Privatinsolvenzen sind 2020 das zehnte Mal in Folge auf den niedrigsten Stand seit 2004 (39.213 Privatinsolvenzen) gefallen. Im Vergleich zum Insolvenzrekordjahr 2010, als 139.110 Privatpersonen innerhalb eines Jahres eine Insolvenz anmelden mussten, haben sich die Privatpleiten im letzten Jahr damit mehr als halbiert (minus 59,5 Prozent).

Warten auf die Reform

Es gibt vor allem drei Gründe, warum die Privatinsolvenzen in Deutschland während der Corona-Pandemie so stark gesunken sind. So haben Kurzarbeit und auch eigene Ersparnisse die finanzielle Schieflage von Bundesbürgern teilweise abgemildert. Zudem gab es 2020 eine deutliche Zurückhaltung bei Anschaffungen und eine Einschränkung des Konsums bei den Privatpersonen. Zweitens war das Angebot bei den Schuldnerberatungen stark eingeschränkt, wie unter anderem die Schuldnerberatung in Schleswig-Holstein berichtet, so dass viele überschuldete VerbraucherInnen im letzten Jahr auf eine Beratung verzichtet oder diese bewusst verschoben haben. Für Privatpersonen besteht bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung keine unmittelbare Insolvenzantragspflicht. Dass die Privatinsolvenzzahl derart niedrig ist, liegt auch daran, dass viele Privatpersonen letztes Jahr entsprechende Anträge zurückgehalten haben. Sie wollten von einer Gesetzesreform profitieren, die Betroffenen von Privatinsolvenzen künftig schon nach drei, statt wie bisher nach sechs Jahren eine Restschuldbefreiung ermöglicht. Da diese Reform ein großer Vorteil für verschuldete Privatpersonen ist, haben viele Antragssteller auf den entsprechenden Beschluss des Bundestages gewartet. Die Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens auf drei Jahre wird rückwirkend auch für alle Insolvenzverfahren gelten, die ab dem 1. Oktober 2020 beantragt wurden. Damit können auch diejenigen Schuldnerinnen und Schuldnern bei einem wirtschaftlichen Neuanfang unterstützt werden, die durch die Covid-19-Pandemie in die Insolvenz geraten sind.

Insolvenzwelle steht bevor

“Die rückläufigen Privatinsolvenzen sind nicht als Zeichen der Entspannung zu interpretieren, sondern als der Anfang einer Insolvenzwelle. Die Zahlen verschleiern die tatsächliche finanzielle Situation vieler Privatpersonen. Die Corona-Krise ist ein Beispiel dafür, wie ein Ereignis von außen die Lage vieler Menschen verschärfen kann”, kommentiert CRIFBÜRGEL Geschäftsführer Dr. Frank Schlein die aktuellen Zahlen.

“Ohne die Corona-Pandemie hätte es im letzten Jahr bis zu 25.000 mehr Privatinsolvenzverfahren in Deutschland gegeben”, so Schlein. “Diese werden nachgelagert zu den diesjährigen Insolvenzen hinzukommen. Daher gehen wir auf Basis unserer Modellberechnungen für 2021 aktuell von bis zu 90.000 Privatinsolvenzen aus. Wegen der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie könnte es 2022 sogar bis zu 100.000 Privatinsolvenzen in Deutschland geben.”

Corona und die Folgen

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sind nicht nur für Beschäftigte im Niedriglohnbereich existenzbedrohend, sondern auch im mittleren Einkommensbereich z.B. durch Kurzarbeit deutlich spürbar. Zudem wird die höhere Arbeitslosigkeit wieder zu mehr Privatinsolvenzen führen, da die betroffenen Verbraucher bei weiterhin hohen Kosten über weniger Geld verfügen. So bleibt den Menschen weniger Geld, um ihren Verpflichtungen wie Kreditzahlungen, Mieten oder Finanzierungen nachzukommen. Auf Dauer führt weniger Einkommen erst in die Überschuldung und dann in die Privatinsolvenz.

Bremen mit den meisten Privatinsolvenzen

Die nördlichen Bundesländer sind auch 2020 stärker von Privatinsolvenzen betroffen als der Süden Deutschlands. So führt Bremen die Statistik mit 112 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohnern an. Es folgt Niedersachsen mit 104 Insolvenzfällen je 100.000 Einwohner. Im Bundesdurchschnitt wurden im vergangenen Jahr 68 Privatpleiten je 100.000 Einwohner angemeldet. Über diesem Schnitt rangieren auch die Länder Sachsen-Anhalt (95), Schleswig-Holstein (87), Brandenburg (79), das Saarland (78), Nordrhein-Westfalen und Hamburg (je 74) sowie Mecklenburg-Vorpommern (73). Am wenigsten Privatinsolvenzen gab es 2020 in Bayern (44 Fälle je 100.000 Einwohner), Baden-Württemberg (50) und Thüringen (54).

In der Statistik der absoluten Privatinsolvenzzahlen stehen Nordrhein-Westfalen (13.322), Niedersachsen (8.346) und Bayern (5.769) an der Spitze.

Symbolbild: Weiterhin Nord-Süd-Gefälle bei Privatinsolvenzen Bildquelle: Thorben Wengert / pixelio.de




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