Zwingt die US-amerikanische Zollpolitik die Bremer Export-Wirtschaft in die Knie?

Nicht nur die Wirtschaftsvertreter schütteln über die von Donald Trump per Dekret verordneten Zölle den Kopf. Auch in den USA erheben sich vermehrt Stimmen, dass der amerikanische Präsident die eigene Wirtschaft massiv schädigt. An den Börsen wurden Milliarden verbrannt. Die Weltwirtschaft steht unter Druck wie seit dem kalten Krieg nicht mehr. Welche Auswirkungen haben die Achterbahnfahrten der Trump-Zölle auf die Bremer Wirtschaft, insbesondere die Stahl- und Kfz-Exporte?

Aktuell hat der US-Präsident die Zolle auf Stahl und Aluminium auf 50 Prozent erhöht und damit verdoppelt. Die deutsche Stahlbranche bezeichnet die Erhöhung als neue Eskalationsstufe, andere sprechen mit geneigter Zurückhaltung von einem transatlantischen Handelskonflikt, wiederum andere von einem Wirtschaftskrieg. Tatsache ist, der Protektionismus sorgt allerorten für Unsicherheit und nicht mehr vorhandene Planbarkeit.

Mit der neuen Zollstufe sind Stahl und Aluminium aus Bremer Betrieben wie ArcelorMittal in den USA nicht mehr rentabel absetzbar. Sollten die Zölle aufrechterhalten werden, würde das deutsche Stahlwerke mit voller Wucht treffen. Dabei gehören die Bremer Stahlwerke zu den Vorzeigeunternehmen, die perspektivisch auch mit starken Investitionen und Förderungen der Stadt Bremen auf die Produktion von Grünem Stahl umgestellt werden sollen.

Angesichts der Bedeutung des Standortes scheint es geradezu verwunderlich, dass die Auswirkungen der Stahlzölle für die Bremer Wirtschaft als vergleichsweise begrenzt eingeschätzt werden. Der Grund ist auf den ersten Blick einleuchtend: Im Jahr 2023 machte Stahl laut der Bremer Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt lediglich zwei Prozent der Exporte aus der Hansestadt in die USA aus.

Obschon das nach „halb so wild“ klingen könnte, bedeutet die Feststellung das Gegenteil, hat aber wenig bis gar nichts mit der Zollpolitik zu tun. Vielmehr war die Konkurrenz durch chinesischen Dumping-Stahl bereits in der Vergangenheit derart dramatisch, dass deutsche Stahlproduzenten nicht mehr mithalten konnten. Das heißt, dass die „nur“ zwei Prozent bereits ein Warnsignal aus der jüngeren Vergangenheit sind, nur die Zölle eben nicht mehr derart erheblich ins Gewicht fallen.

Unbesehen dessen wird die US-amerikanische Zollpolitik gerade in Land und Stadt Bremen intensiv verfolgt. Bremen ist traditionell besonders exportorientiert und dabei stark von den Vereinigten Staaten von Amerika abhängig. Und zwar stärker als sämtliche anderen deutschen Bundesländer. Indes der US-amerikanische Anteil an deutschen Exporten sich im Bundesdurchschnitt bei rund zehn Prozent einpendelt, beläuft der sich der Bremer Index auf etwa 15 Prozent.

Im speziellen Fokus stehen dabei die Auto-Exporte. So erhebt die USA bereits seit Anfang April 25 Prozent Zoll auf Importe von Autos und Autoteile, wovon demnach die ansässigen Kfz-Hersteller wie Mercedes Benz als auch die Zulieferer betroffen sind. Die eigentlich bereits für Anfang Juni angekündigten, aber bislang nicht eingeführten Pauschalzölle von 50 Prozent auf sämtliche EU-Importe werden auch deshalb zum Schreckensszenario, weil über 72 Prozent der Bremer Exporte Richtung USA auf den Sektor der Autos und Autoteile entfallen. Deutschlands größtes Kfz-Exportterminal in Bremerhaven steht voll; die Fahrzeuge stehen sich die Reifen in den Bauch.

 

((Beitragsbild: Stahlwerke Bremen – ArcelorMittal ))

 

 

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