Zuwanderung als Chance oder Risiko? – Viele Bremer sehen hier Gesprächsbedarf

31. 08. 2020 um 10:37:41 Uhr | BremenNews-Redaktion
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Während der Flüchtlingskrise zwischen 2015 und 2016 meldeten sich über eine Million Flüchtlinge beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Rund 13.500 von ihnen kamen nach Bremen. Heute wird das Thema Zuwanderung und Integration aus der Sicht vieler Bremer nicht mehr ausreichend diskutiert. Das ergab eine Umfrage des Regionalmagazins „buten un binnen“ (Radio Bremen).

Zwar spielen die Themen Zuwanderung und Integration auch fünf Jahre nach der Flüchtlingskriese noch immer eine große Rolle in Deutschland, dennoch finden viele Bremerinnen und Bremer, dass über die Themen viel zu wenig diskutiert wird. In einer Umfrage von Radio Bremen zu diesem Thema gaben von 1.345 Befragten 53 Prozent an, Integration und Zuwanderung würden in der öffentlichen Diskussion zu wenig Platz einnehmen. 18 Prozent gaben an, die Themen würden aus ihrer Sicht im genau richtigen Umfang diskutiert und 14 Prozent finden, die Themen würden zu viel Platz in der öffentlichen Diskussion einnehmen. 9 Prozent wählten die Antwortmöglichkeit „Das kann ich nicht sagen“ und 6 Prozent machten keine Angabe.

„Wir schaffen das“?

In Frage 4 der Umfrage, sollten die Bremerinnen und Bremer folgenden Satz vervollständigen „Beim Thema Zuwanderung nach Deutschland empfinde ich…“ Am meisten genannt wurde Angst (115 Personen), Sorge (46), Unbehagen (46), Scham (43). Fünf Jahre nach der Krise sehen die Befragten in Sachen Integration den meisten Fortschritt bei der Unterbringung und Wohnsituation der Geflüchteten (wenn auch hier nur etwa 2,6 von 5 Punkten vergeben wurde). In Sachen Gesellschaft, Arbeitsmarkt sowie Schule und Ausbildung sehen viele noch deutliche Defizite.

Zuwanderung kann eine Chance sein

Auf die Frage, was den Bremerinnen und Bremern zur Flüchtlingswelle im Sommer 2015 als erstes einfällt, geben viele Schlagworte wie Chaos, Überforderung und Kontrollverlust an. Andere dagegen nennen Hilfsbereitschaft, Willkommenskultur und Solidarität. Viele der Teilnehmer gaben an, die vermehrte Zuwanderung auch als Chance zu sehen. Nicht nur in Sachen kultureller Vielfalt, sondern auch für den Arbeitsmarkt. Von allen Befragten gaben 42 Prozent an, die Zuwanderung als Chance zu sehen. 40 Prozent sehen sie eher als Risiko und 8 Prozent sowohl als auch. 9 Prozent machten keine Angaben. Diejenigen, die „Risiko“ wählten, gaben an, sich vor allem um die finanzielle Belastung des Sozialsystems zu sorgen, die Isolierung der Zugewanderten und die Missachtung von Gesetzen.

“Die meisten Bremer denken kritisch, trauen sich aber nicht mehr, offen über Probleme der Zuwanderung zu sprechen, weil man sonst sofort rechts abgestempelt wird, vielleicht sogar als Nazi beschimpft wird“, glaubt einer der Befragten. “Es gibt noch viel zu tun, insbesondere im Punkt Perspektive für diese Menschen. Wer nicht sicher ist, ob er bleiben darf, kann nicht erfolgreich integriert werden”, schreibt eine weitere.

Datenbasis

An der Radio-Bremen-Umfrage haben sich insgesamt 1.345 Personen zwischen 14 und 88 Jahren beteiligt. 1.026 Teilnehmer kommen aus Bremen, 64 aus Bremerhaven und 187 aus dem niedersächsischen Umland. 68 machten keine Angabe zu ihrem Wohnort. 29 Prozent gaben an, mindestens eine Person aus dem nahen Umfeld zu kennen, die selbst Fluchterfahrungen gemacht hat. Dabei wurde häufig auf die Vertriebenen von 1945 verwiesen.

Symbolbild: Viele Bremer sehen in der Zuwanderung auch eine Chance für kulturelle Vielfalt und gegen den Fachkräftemangel. Bildquelle: Fotolia.




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