Weil Instinkte sich nicht wegplanieren lassen: NABU und Helfende errichten Krötenschutzzaun in Bremen-Woltmershausen

Der NABU hatte freiwillige Helfer am 01. März 2025 zum Anpacken bei der Errichtung des Krötenzauns aufgerufen. Die Beteiligung war mit sieben Personen neben dem Organisator selbst kein Massenauflauf. Doch die Helfenden waren teils weit angereist und stellten ihre ehrenamtliche Arbeitskraft in den Dienst der guten Sache. Die Arbeiten in Woltmershausen hatten zum wohl exakt richtigen Zeitpunkt begonnen. Sobald die Temperaturen in den nächsten Tagen erwartbar steigen, treten die Kröten ihre lebensgefährliche Reise zu ihren Laichgewässern auf der anderen Straßenseite an.

Am Samstagvormittag liegt der Stadtteil im Bereich der Senator-Apelt-Straße / Ecke Am Tabakquartier noch im Nebel. Aufgrund der bislang kühlen und feuchten Witterung wird der Beginn der Wanderung erst für die kommenden und dann voraussichtlich etwas wärmeren Tage beziehungsweise Abende und Nächte erwartet. Kaum steigen die Nachttemperaturen regelmäßig über die Fünf-Grad-Marke, wird auch die Krötenwanderung  starten.

Noch im Nebel des Morgens liegend, begann der Aufbau des Krötenschutzzaunes

Statt Gerätschaften eher helfende Hände gefragt

Benötigte Gerätschaften wurden vom NABU bereitgestellt. Dennoch waren „eigene Spaten“ durchaus willkommen. Im Grunde genommen ging es aber mehr um helfende Hände als um den Einsatz professioneller Werkzeuge. So wurden die Planenzäune zunächst entlang der gesamten Strecke verteilt und ausgerollt. Im nächsten Stepp gruben die Beteiligten eine Führungsrille in den Untergrund. Anschließend wurden die Beschläge in den Untergrund verbracht und die Planen daran befestigt und gespannt. Wohlgemerkt, auf einer Strecke von 800 Metern.

Mehr als ein paar Spaten wurden eigentlich nicht gebraucht, aber Hände und Motivation.

Der den Amphibien eigentlich helfende Trick ist schlussendlich, in regelmäßigen Abständen unmittelbar am Zaun simple Plastikeimer einzugegraben, in die sie dann bei ihrer Wanderung hoffentlich fallen sollten. Beachtet werden muss dabei, weder Kabel im Bereich der Kreuzung noch Baumwurzeln im weiteren Verlauf zu schädigen. Einmal in den Boden eingebracht, wurden in die Eimer einige Blätter gefüllt, außerdem ein, zwei kleine Äste, damit andere Tiere wie etwa Mäuse problemlos wieder herauskommen können.

Erstmal den Zaune in die gezogene Führungsrinne einbringen

Es muss frei von gartenarchitektonischer Perfektion schlichtweg funktionieren.

Straßenschilder zur Krötenwanderung sinnvoll

Der Schutzzaun ist nach zweitägiger Arbeit mit bodenständigem Einsatz errichtet, die Wanderung kann beginnen. Abhalten lassen sich die Kröten davon ohnehin nicht. Amphibien können bekanntlich keine Verkehrsschilder oder rote Ampeln lesen. Die Autofahrer hingegen sollten durchaus imstande sein, Warnhinweise zu beachten. Fraglich bleibt, weshalb an der Strecke keine Schilder mit Hinweis auf die Krötenwanderung positioniert sind. Das allerdings läge nicht in der Umsetzungskompetenz des NABU. Schilder gibt es kurioserweise nur für „andere Verkehrsteilnehmer“. Pferde können übrigens auch nicht lesen.

Temporäre Geschwindigkeitsbegrenzung für Fahrzeuge wäre vermutlich sinnvoller.

Damit die Tiere nunmehr unbehelligt auf die andere Straßenseite gelangen, werden insbesondere die Eimer in den dann wieder kühleren Abendstunden von ebenfalls ehrenamtlichen Helfern kontrolliert, die darin „gefangenen“ Kröten geschützt auf die andere Straßenseite gebracht. Wie wertvoll die Population im Sinne der Erhaltung der Artenvielfalt ist, lässt sich an prägnanten Zahlen ablesen: Die Kröten sind in diesem Bereich von etwa 3.000 auf nur noch rund 200 Exemplare zurückgegangen. Die Laichschnur einer einzigen weiblichen Kröte trägt aber ungefähr 4.000 Eier.

Die „schützendenden Fallen“ sind in Form von Plastikeimern in den Boden eingelassen.

Vor der Zivilisation oder dem Instinkt geschützt

Die meiste Zeit des Jahres verbringen die Tiere in Gärten und auf Bachflächen am Tabakquartier, aber mit der Fortpflanzungszeit im Frühling setzt die riskante Wanderung von einer Straßenseite auf die andere zum Laichgewässer ein. Gerade für thematisch Außenstehende eine lehrreiche und nicht minder interessante Erfahrung. Was überhaupt ist ein Krötenzaun und wie können die Amphibien auf ihrem immer noch evolutionärem Weg vor der Zivilisation geschützt werden?

„Kröten sind Gewohnheitstiere“, erklärt Florian Scheiba vom NABU Bremen. Sie suchen zum Laichen immer das Gewässer ihrer eigenen Geburt auf. „Leider kreuzt inzwischen die Senator-Apelt-Straße den Wanderweg“ Deshalb fange man die Kröten seit 2016 jeweils im Frühling mit einem Zaun ab, wo sie zunächst in eingegrabene Eimer gelockt werden und trage sie über die Straße. Von den ehemals rund 1.100 Metern Länge seien aufgrund der Entwicklung des Tabakquartiers inzwischen nur noch etwa 800 Meter übriggeblieben. Somit schützt also der Mensch die Tiere vor dem Menschen.

Initiator und Organisator Florian Scheiba vom NABU: „Kröten sind Gewohnheitstiere“

Die Laichgewässer befinden sich auf der anderen Straßenseite, ein Biotop inmitten von Bremen, das die Kröten lediglich erreichen müssen. Ausreichend Fläche ist vorhanden. Dennoch ist angesichts der trockenen Sommer, die bereits seit 2018 sichtlich und zählbar negativen Einfluss auf die Population nehmen, kaum absehbar, ob die Art sich wieder erholen wird. Mag sein, es sind für manche Beobachter „nur Kröten“. Tatsächlich aber sind sie ein unübersehbares Signal für das Ungleichgewicht zwischen Mensch und Natur. Glücklicherweise gibt es Ambitionierte, die mit kleinen Beiträgen Nachhaltiges bewirken möchten.

Natürlicher Raum ist vorhanden, die Kröten müssen ihre Laichgewässer lediglich erreichen.

 

All jene, die für den Amphibienschutz in Bremen aktiv werden möchten, können sich bei Florian Scheiba an der NABU Landesgeschäftsstelle melden, entweder telefonisch unter der 0421/ 48 4448 72 oder per E-Mail: Florian.Scheiba@NABU-Bremen.de

((Beitragsfoto oben: Ehrenamtlich Helfende bei vorbereitenden Arbeiten für die Errichtung des Krötenschutzzaunes))

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