Wasserpest im Bremer Werdersee Follow-up: Eigentich geht gar nichts

Wie berichtet, breitet sich die Wasserpest auf dem Werdersee geradezu rasant aus. Obschon der Name gefährlicher klingt, als die invasive Schlingpflanze tatsächlich ist, sind die Risiken erheblich. Der See ist für Badende und sonstige Wassersportaktivitäten gesperrt, auch weil die Rettungssicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Stellungnahmen des Bremer Umweltressorts dahingehend, wie das passieren konnte und welche Maßnahmen sofort als auch künftig ergriffen werden sollen, wurden zunächst für nach den Sommerferien angekündigt. Doch nun gibt es aktuelle Statements. Die klingen ernüchternd bis macht- und hilflos. Die schlussendliche Quintessenz: Eigentlich lässt sich gar nichts machen. Ökologisch sinnvolle und finanziell stemmbare Maßnahmen erschließen sich nicht.

Die Problematik der Wasserpest betrifft zunächst nicht den Menschen, stattdessen aber das gesamte Ökosystem am Werdersee – wie auch bundesweit immer wieder vermeldet wird. Die Wasserpflanze ist nicht giftig, aber invasiv, was bedeutet, dass sie andere Arten verdrängen kann. Und dabei ist sie bereits jetzt im negativen Sinne durchaus erfolgreich. Mit wenigen Ausnahmen bedeckt sie den gesamten See; allenfalls im Bereich der Badestelle hatte eine Spezialfirma die Pflanze nicht nur gemäht, sondern mit Wurzelwerk komplett entfernt. Das wiederum glich einem bürokratisierten Schildbürgerstreich. Gesperrt blieb der See trotzdem.

Dabei ist ist der Grat der möglichen Maßnahmen vergleichsweise schmal. Schließlich sind Wasserpflanzen grundsätzlich ein bedeutender Bestandteil von Gewässerökosystemen; die Wasserpest kann sich allerdings bestens gegen ihrer Mitbewerber durchsetzen, verbreitet sich überaus schnell und ist nicht minder schwer zu beseitigen. Eine Beseitigung in einem derart großen Areal ist kaum denkbar, zumal ein winziges verbleibendes Stängelstück für die Bildung neuer Triebe ausreicht. Was also tun?

Wäre es eventuell machbar, die invasive Pflanze durch die Aussiedelung von Karpfen einzudämmen? Theoretisch wäre das denkbar, zumal der Graskarpfen als Pflanzenfresser in Teichen und Seen zur Verbesserung der Wasserqualität eingesetzt wird. Doch es bleibt bei der Theorie. Denn auch diese Karpfenart gilt als invasiv, weil gebietsfremd und konkurrenzstark und würde andere Fische aus dem Ökosystem vertreiben. Hinzu käme, dass er eben nicht nur die Wasserpestpflanzen frisst, stattdessen alles, was in dem Bereich gedeiht und wächst. Das wäre demnach, wie die Wasserpest gegen Karpfen-Cholera einzutauschen. Allenfalls Angler könnten sich mit den sehr groß werdenden Fischen wie im Paradies fühlen.

Eine weitere Option wäre es, den Werdersee auszubaggern. Erst kürzlich hatte die CDU in Bremen gefordert, die Wasserpest komplett zu entfernen. Nachhaltig schreibt sich – abgesehen von den entstehenden Kosten – sicherlich anders. Eine derartige Maßnahme hätte erstens erhebliche Auswirkungen auf das komplette Ökosystem und würde sich somit auf sämtliche Tiere und Pflanzen im Werdersee auswirken. Zweitens ist die Wasserpest derart resistent und hartnäckig, dass sie sich auf dem dann ausgebaggerten Boden erneut ansiedeln und ausbreiten würde.

Als Zwischenfazit verbleibt gegenwärtig nur, dass auch in absehbarer Zeit für die nächsten Jahre keine konkrete und machbare Lösung vorhanden ist. In anderen Bundesländern gibt es Seen, die regelmäßig gemäht werden, was allerdings nur für einen Effekt an der Oberfläche sorgen kann. Gleichwohl prüft das Umweltressort, ob etwaige andere Fischarten helfen könnten. Dass auch die sich dem Zweck entsprechend mit höchster Wahrscheinlichkeit als invasiv erweisen würden, ist zumindest naheliegend. Aktuelle Tatsache ist: Die Bremer sind machtlos.

 

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert