Strukturelle Armut in Bremen wirkt sich negativ auf die Lebenserwartung aus

Das Statistische Bundesamt hat aktuelle Zahlen zur Lebenserwartung der Menschen in Deutschland veröffentlicht. Obschon der Anstieg gegenwärtig langsamer verläuft, weist die vorgelegte Auswertung neue Rekordwerte auf. Die Menschen werden heute im Durchschnitt so alt wie nie zuvor. Dabei auffällig ist allerdings, dass regional deutliche Unterschiede existieren. Das Bundesland und die Hansestadt Bremen hinken im bundesweiten Vergleich hinterher.

Im bundesweiten Vergleich der 16 Bundesländer belegt das Land Bremen den 15. Platz. Es liegt damit auf dem vorletzten Rang und bildet zusammen mit Sachsen-Anhalt das Schlusslicht in Deutschland. Im Vergleich mit den Werten des Spitzenreiters Baden-Württemberg leben Männer in Bremen mehr als drei Jahre kürzer. Tatsächlich aber muss die vorgelegte Statistik mit spitzem Bleistift gelesen werden, zumal die Zahlen für das Bundesland und die Hansestadt Bremen unterschiedlich ausfallen. Insbesondere die Zahlen für Bremerhaven ziehen den Gesamtschnitt stark nach unten. Somit landet die Stadt Bremen isoliert betrachtet im Städte-Ranking immerhin auf Platz 65.

Darüber hinaus bestehen weiterhin teils große Unterschiede, die stark vom jeweiligen Stadtteil und dem sozialen Status abhängen. So beträgt die höchste Lebenserwartung in wohlhabenden Stadtteilen wie Oberneuland, Schwachhausen und Horn-Lehe, die niedrigste demgegenüber in Stadtteilen mit höheren sozioökonomischen Belastungen wie Walle, Woltmershausen oder Gröpelingen, wo Männer im Schnitt nur 74 statt 82 Jahren in Schwachhausen werden.

Ein Mädchen, das im vergangenen Jahr geboren wurde, werde im Bundesdurchschnitt 83,6 Jahre alt, ein Junge 79,1 Jahre, hatte das Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitgeteilt. Demgegenüber werden Jungen in Bremen 77,2 Jahre alt, Mädchen haben eine Lebenserwartung von 78,2 Jahren. Wie krass der Unterschied ausfällt, zeigt der Vergleich mit dem Spitzenreiter Baden-Württemberg. Denn dort haben neugeborene Jungen eine prognostische Lebenserwartung von 80,3 Jahren. Mädchen können sich in BaWü sogar auf eine durchschnittliche Lebenserwartung von 84,4 Jahren einstellen.

Und auch hier gehören der sozioökonomische Status und das Einkommen zu den maßgeblichen Faktoren. Ein höheres durchschnittliches Einkommen und ein geringeres Armutsrisiko in Baden-Württemberg wirken sich direkt auf die Lebensqualität, die Gesundheitsversorgung und den Zugang zu präventiver Medizin aus. Zudem zeigen Studien, dass im Südwesten weniger geraucht wird und mehr Wert auf gesundheitsfördernde Verhaltensweisen gelegt wird. Reflektiert wird durch die neuerliche Erhebung, dass es in Stadtstaaten wie Bremen mehr strukturelle Armut gibt.

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((Beitragsbild oben: Symbolbild Senioren | Bildquelle Fotolia))

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