Sicherheit im Fokus mit Beigeschmack: Bremer Konzerne profitieren massiv von der militärischen Aufrüstung

Im Land Bremen wird eine Vielzahl militärischer Geräte für unterschiedlichste Zwecke innerhalb der Rüstungsindustrie produziert. Tatsächlich gibt es laut dem Friedensforum in Deutschland keine Stadt mit einer vergleichbaren Rüstungsdichte. So würden rund sieben Prozent des Umsatzes der deutschen Rüstungsindustrie in der Hansestadt erwirtschaftet. Und die Umsätze der Branche gehen aktuell steil nach oben.

Ein wirtschaftlich positives, in der öffentlichen Meinung allerdings typisch zweischneidiges Schwert ist, dass diverse Bremer Unternehmen von Krieg, Aufrüstung und der Notwendigkeit der Verteidigung derzeit massiv profitieren. Dazu gehören etwa Atlas Elektronik mit Stammsitz in Sebaldsbrück, Airbus, dessen Bremer Standort sich direkt am Flughafen befindet, außerdem die OHB, Rheinmetall Defence Electronics, die Lürssen Werft sowie der ehemalige Automobilhersteller und schwedische Rüstungskonzern Saab. Es gibt diverse weitere, so beispielsweise die zahlreichen Zulieferer.

Atlas Elektronik GmbH

Die Kernkompetenz von Atlas Electronics liegt in den Bereichen Informationstechnologie, Sensorik und Hydroakustik, womit sich das Unternehmen insbesondere auf die Gefahrenabwehr an Küsten und Häfen, aber auch auf hoher See – beispielsweise mit Sonarsystemen für U-Boote, Minenjagd-Boote und Kampfschiffe sowie Torpedos – fokussiert. Das Unternehmen aus dem Sektor der Marineelektronik beschäftigte 2024 an seinem Hauptsitz in Bremen weit mehr als 1.000, inklusive der Zweigstellen in Wilhelmshaven, Koblenz und Wedel bei Hamburg rund 2.800 Mitarbeitende. Atlas Elektronik machte als Unternehmen der thyssenkrupp AG 2013 einen Umsatz von 440 Millionen Euro. Im Wirtschaftsjahr 2022/2023 erwirtschaftete die Gruppe einen Umsatz von 513 Millionen Euro. Das Unternehmen steuert auf einen Umsatz von einer Milliarde Euro zu.

Airbus

Airbus arbeitet nicht nur an der Raumfahrttechnologie und zivilen Luftfahrt, stattdessen innerhalb der Rüstungssparte Defence und Space ebenso im militärischen Sektor. Entwickelt werden im Bremer Unternehmen, dessen Hauptverwaltung im französischen Toulouse liegt, beispielsweise der Rumpf des Militärflugzeugs A400M, militärische Drohnen und etliche weitere Rüstungsgüter. Der Umsatz im Geschäftssegment Defence & Space war in 2024 auf 12,08 Milliarden Euro angewachsen. In den Jahren 2021 bis 2024 konnte der Konzern Rekordgewinne erwirtschaften. Ein Ende des Trends ist derzeit nicht zu erwarten.

OHB

Die OHB mit Stammsitz in Bremen gehört ebenfalls zu den führenden Playern sowohl in der Raumfahrt- als auch Rüstungsindustrie. Gebaut werden u.a. Satelliten für das Navigationssystem Galileo als auch ein von der Bundeswehr genutztes, Satelliten-gestütztes Aufklärungssystem sowie Frühwarnsysteme für die Raketenabwehr. Die militärische Sparte nimmt mit unter zehn Prozent nur einen geringfügigen Teil des gesamten Portfolios ein. Allerdings rechtet die OHB mit verstärkten Aufträgen im militärischen Bereich. So erwartet der Konzern, dass mehr als 30 Prozent der kommenden Aufträge auf den Verteidigungssektor entfallen werden.

Rheinmetall Defence Electronics

Im Bremer Werk von Rheinmetall arbeiten rund 1.800 Beschäftigte. Aufgrund der Auftragsspitzen werden darüber hinaus 300 Mitarbeitende zusätzlich gesucht. Produziert werden in Bremen hochspezialisierte Ausrüstungen für das Militär wie etwa Ortungsgeräte oder Helmkameras und vieles mehr. Ebenso entwickelt die Konzerntochter Rheinmetall Electronics GmbH etwa Zielsysteme für Waffen. Entstehen soll innerhalb des Konzerns in Bremen ein Kompetenzzentrum für die Digitalisierung der Streitkräfte. Rheinmetall hat seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 36 Prozent gesteigert und damit nach eigenen Angaben ein Rekordergebnis eingefahren.

Saab

Zu den Konkurrenten des Rüstungsunternehmens thyssenkrupp Marine Systems als Dachorganisation von Atlas Elektronik gehört mit Saab ein ehemals in Schweden ansässiger Automobilhersteller und zugleich Rüstungskonzern, der allerdings aufgrund von Insolvenz 2011 die Kfz-Sparte aufgeben müsste. Die Rüstungssparte blieb bestehen; und so wurde 2024 in der Bremer Neustadt ein weiterer Standort eröffnet. Arbeiten sollen dort unter anderem in Entwicklung und Bau beispielsweise von Marine-Waffensystemen und U-Booten künftig bis zu 100 Angestellte.

Lürssen Werft

Lürssen in Bremen-Vegesack selbst bezeichnet sich als den „(…) deutschlandweit führenden Systemanbieter für die Konstruktion und Fertigung militärischer Überwassereinheiten“. Übersetzt bedeutet das: Das Unternehmen fertigt etwa Kriegsschiffe für die Deutsche Marine bis zur Fregattengröße. Indes die militärischen Schiffe unter der Dachmarke Naval Vessels Lürssen (NVL) entstehen, baut die Lürssen Werft ebenso mondäne zivile Luxus-Jachten. Waffengeschäfte machen lediglich vier Prozent des gesamten Konzernumsatzes aus. Unbesehen dessen kam NVL 2024 auf einen Umsatz von 400 Millionen Euro. Zumal die Aufträge aus dem Verteidigungsministerium künftig noch deutlich anziehen dürften, wurden im vergangenen Jahr rund 400 neue Mitarbeiter eingestellt.

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