Realitäten im Bremer BürgerServiceCenter: Was ein Termin ohne Termin bedeutet

Eigentlich sollte in den BügerServiceCentern nach dem Motto „Deutschland goes digital“ alles schneller gehen und richtig an Fahrt aufnehmen. Immerhin ist der Stau immens. Überziehen Personen beispielsweise die Frist für die Wohnungsumeldung nach einem Umzug, werden Bußgelder kaum noch thematisiert, ganz im Gegenteil. Die Situation wird vom Verwaltungspersonal mit betroffenen Blicken überspielt. Die Frist von 14 Tagen nach dem Einzug in die neue Wohnung ist zwar gesetzlich festgelegt, doch jeder weiß, wo der verantwortliche Widerhaken hängt. Durchaus kurios wird es inzwischen mit dem erhofft barrierefreien Zugang zu Online-Services.

Um etwa die Online-Funktion des Personalausweises zu nutzen, damit bereitgestellte Vorgänge wie die Online-Ummeldung oder Kfz-Ummeldung papierlos abzuwickeln, sich im Portal der jeweiligen Krankenkasse zu registrieren und etwa die eigene Krankengeschichte einzusehen, wird die sogenannte BundID benötigt, ein zentrales Konto im Rahmen des Onlinezugangsgesetzes (OZG), mit dem Personen sich online gegenüber Behörden ausweisen können. Die Einwahl bzw. Registrierung ist mit mehreren Optionen möglich, wobei es um die Vorgaben der europäischen Verordnung über elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste geht. Grundsätzlich wird im Registrierungsvorgang nach einer PIN bzw. einem Aktivierungscode verlangt, den man sich per Post an die eigene Adresse schicken lassen kann. Doch üblicherweise soll’s schnell gehen. Dann wird die 6-stellige PIN vom Bürger Service Center gesetzt, allerdings nur mit persönlichem Erscheinen vor Ort, so etwa in der Stresemannstraße.

Und spätestens an der Stelle wird das Procedere kurios. Zeitnah einen Termin über das Portal der Stadt zu bekommen, ist nahezu unmöglich. Dreimonatige Wartezeiten und mehr sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Alternativ können sich die Bürgerinnen und Bürger auch frühmorgens ab 07:00 Uhr an den Rechner setzen, um einen der etwaigen zurückgegebenen Termine zu erhaschen. Das Unterfangen ist meist sinnentleert, zumal die Termine in Sekundenschnelle wieder vergeben sind. Für viele ist das aufgrund der alltäglichen Verpflichtungen auch kaum machbar, zumal sie sich zu dieser Uhrzeit bereits auf dem Weg zur Arbeit befinden, schon bei der Arbeit sind, Kinder zur Schule bringen müssen oder selbst noch schlafen, weil sie bis spät in die Nacht gearbeitet haben. Es gibt unzählige Gründe, die es schlicht unmöglich machen, sich teils über Wochen hinaus auf den digitalen Online-Sprint um einen Termin zu begeben, um dann doch leer auszugehen.

Doch längst gibt es vermeintliche Abhilfe. Mit den sogenannten offenen Sprechstunden sollen die Terminstaus in den Bürgerämtern verkürzt werden, und zwar in allen dreien. Wer zur offenen Sprechzeit kommen möchte, kann – darauf wird auch über die Hotline 115 hingewiesen – zu den festgelegten Zeiten ohne Termin erscheinen. Soweit die Theorie. Um eine PIN für den Online-Funktion des Personalausweise zu bekommen, kann man – so die Mitarbeitenden am Telefon – ohnehin ohne Termin erscheinen. In der Praxis sieht das zur Verwunderung etlicher Bürgerinnen und Bürger dann so aus: Wer beispielsweise gegen 08:15 Uhr erscheint und sich mit dem Barcode-Scanner mit dem Wunsch auseinandersetzt, einen „Termin ohne Termin“ zu bekommen. blickt erstaunt auf den Ausdruck, auf dem dann beispielsweise 16:15 Uhr steht. Das ist dann der besagte Termin ohne Termin.

 

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((Beitragsbild oben: Eingang zum BürgerServiceCenter in der Stresemannstraße.))

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