Premiere der Komödie „Die lieben Eltern“ im Boulevardtheater Bremen: Menschliche Abgründe bis zur Kenntlichkeit entstellt
Am 20. November 2022 öffnete das Boulevardtheater Bremen im Tabakquartier seine Türen zur Premiere der Komödie „Die lieben Eltern“. Eine Produktion die Lachsalven mit durchaus tiefgründigen Gedanken kombiniert. Die im Raum stehende und nicht minder komödiantisch verarbeitete Frage: Was macht man mit einem saftigen Lottogewinn? Gleichwohl beschäftigten sich die Schauspieler mit dem Sinn und Unsinn von Geld. Macht Geld wirklich glücklich oder weckt es eher die niederen Triebe im Menschen? Die Veranstaltung war bis auf den letzten Platz ausverkauft und überzeugte die Gäste von der Dramaturgie bis zur Leistung der Protagonisten auf der Bühne.
Per (Sven Mein), Julian (Kai Hochhäusler) und Louisa (Ramona Schlenker) lieben sich und ihre Eltern über alles. Zwar könnte das Geschwister-Trio unterschiedlicher kaum sein, aber das gemeinsame Zuhause verbindet und vereint sie eben auf besondere Art und Weise. Ihre Eltern, Vincent (Hermes Schmid) und Hannah (Kathrin Busch), bitten sie dringend, zu ihnen zu kommen.
Geradezu verstört eilen die drei mit schlimmsten Befürchtungen herbei. Was könnte sie erwarten? Sind die Eltern möglicherweise todkrank? Nein, das sind sie nicht. Stattdessen teilen sie ihren längst erwachsenen und – möglicherweise – eigenständigen Kindern mit, dass sie sich entschieden haben, ein Waisenhaus zu eröffnen, künftig den Kindern helfen wollen, die eben nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Doch wovon? So ganz ohne finanzielle Mittel funktioniert das nicht. Die nur bruchstückhaft durchsickernde Antwort: Die Eltern haben den Jackpot im Lotto gewonnen. Und schon beginnt die eigentliche Geschichte, in der immer wieder szenisch beleuchtet wird, was Geld mit sich eigentlich liebenden Menschen machen kann.
Die Eltern haben ihre Prinzipien, wollen, dass die Kinder glücklich sind und ihnen gerade deshalb keinen großen Anteil vom Lottogewinn geben. Die hingegen fühlen sich benachteiligt, nicht beachtet, geradezu betrogen. Die Szenarien steigern sich mit dramatischer Dynamik. Es gibt Diskussionen, Debatten, Eskalation und schlussendlich bedrohen die Kinder ihre eigenen Eltern sogar mit dem Gewehr. Die menschlichen Abgründe werden gekonnt bis zur Kenntlichkeit entstellt. Die dunklen Flecke, die in jedem von uns schlummern, werden schauspielerisch seziert.
Zum Schluss gab es Standing Ovations für die Akteure auf der Bühne als auch für die im Hintergrund für die Umsetzung der Show Verantwortlichen. Und beim anschließenden After-Show-Empfang waren sich alle sicher, dass das Boulevardtheater mit der Komödie „Die lieben Eltern“ einen echten Publikumsmagneten in den aktuellen Spielplan aufgenommen hat.
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((Beitragsbild oben: After-Show-Empfang bei der Komödie „Die lieben Eltern“. ))




BremenNews - Jörn Petersen


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