Peter Bollhagen und Ammar Bilal bei 3nach9 über gelungene Integration in Bremen: Echte Win-/Win-Situation
Peter Bollhagen ist Chef eines bremischen Malereibetriebs und selbst mit dem Pinsel in der Hand groß geworden. Bereits seine Eltern besaßen einen Malerbetrieb, in das Handwerk ist er „quasi hineingewachsen“. Heute besteht sein Team hauptsächlich aus Menschen mit Migrationshintergrund: „Ohne Zuwanderer müsste ich meinen Laden morgen dicht machen“, so Bollhagen, der außerdem Mitglied der FDP und Bremer Landesvorsitzender des Verbandes „Die Familienunternehmer“ ist. Weshalb Integration in seinem Betrieb reibungslos funktioniert und wie der ehemals aus Syrien geflohene Ammar Bilal inzwischen zu seinem Mitgesellschafter geworden ist, berichtete er in der Talkshow 3nach9 am 30. Januar 2026.
Judith Rakers in ihrer Anmoderation der beiden: „Unsere nächsten Gäste beweisen, wie Integration gelingen kann, wenn Menschen sich gegenseitig eine Chance geben.“ Gemeint waren Ammar Bilal, der mit 16 Jahren vor dem Krieg in Syrien ohne Familie allein nach Deutschland geflohen war, und Peter Bollhagen, der ihm eine Ausbildung in seinem Malereibetrieb in Bremen ermöglichte. Entstanden ist daraus eine echte Erfolgsgeschichte für beide Seiten.
Aktuell arbeiten in dem Malereibetrieb elf unterschiedliche Nationen, zu Spitzenzeiten waren das sogar vierzehn. Zum Personalstamm zählen knapp 30 Mitarbeitende, was sich so verteilt, dass die Leistungsträger im Unternehmen zwar teils noch aus Deutschland kommen, zu einem Großteil jedoch aus anderen Ländern. Judith Rakers: „Und wie sähe Ihr Unternehmen aus, wenn Sie keine Mitarbeiter mit Migrationshintergrund beschäftigen könnten?“ – Peter Bollhagen: „Im Prinzip könnte ich meinen Laden dann zumachen.“
Pünktlichkeit und Einsatzwillen
Dabei betont Bollhagen, dass sich die Gewichtung in den vergangenen Jahren durchaus verändert habe und dies auch ein Stück weit in das Bildungsthema mit hineingeht. Er und Ammar Bilal haben im Moment sieben Lehrlinge aus sieben Nationen. Tatsächlich gebe es kaum noch deutsche Bewerbungen und – das habe prima gar nichts mit großem sozialen Engagement zu tun – er müsse ja an die Zukunft und Leistungsfähigkeit des Unternehmens denken. Gewährleistet werde die durch das bunte Team mit unterschiedlichster Herkunft. Zuverlässigkeit im Handwerk sei auch mit den Themen Pünktlichkeit und Einsatzwillen verbunden, so Peter Bollhagen. „Da haben wir leider das Thema, dass ich das in der Vergangenheit bei deutschen, bei Bremer Lehrlingen weniger gefunden habe.“
Einfach mal den Meister machen
Befragt nach potenziellen Reibereien aufgrund unterschiedlicher Kulturen, Religionen und Lebensvorstellungen, antwortet Ammar Bilal. „Da sind immer so gewisse Schwierigkeiten mit den Kollegen auf den Baustellen. Aber im Laufe der Zeit habe ich dann mit jedem den vernünftigen Weg gefunden, den ich mit ihm gehen kann.“ Bilal selbst ist seit acht Jahren im Unternehmen. In der Retrospektive erinnert er sich an „ganz andere Zeiten“, einen harten Chef, jeden Tag Stress und die Sprache sei noch eine Barriere gewesen. Angefangen als Maler-Gehilfe, entschied er sich dafür, die Ausbildung zu machen. Die Motivation sei auch von Herrn Bollhagen – den er aus Respekt auch nach acht Jahren noch konsequent mit Sie anspricht – gekommen. Wenig später wollte er dann „einfach mal den Meister machen“.
Peter Bollhagen war mein Papa in Deutschland
Bilal weiter: „Herr Bollhagen, kann ich voll Stolz sagen, war mein Papa in Deutschland. Der hat mir immer mehr beigebracht und hat mir Motivation gegeben.“ Er sei immer sein Vorbild gewesen. Sein leiblicher Vater hatte ihn in Syrien bereits im Kindergartenalter mit auf die Baustelle seines Malerbetriebs genommen, was hierzulande – glücklicherweise – undenkbar ist. In Syrien dürfen Kinder mit zehn Jahren bereits zur Arbeit gehen, leider. Nach Beginn des Krieges in Syrien wurden seine Pläne durchkreuzt. Die Flucht über die Türkei – als Kurde – und durch etliche weitere Länder begann, mit traumatischen Erlebnissen und Erinnerungen. Ein Bild von Deutschland hatte er nicht. Er wollte einfach nur raus. Viele andere Flüchtende hatten den Weg über das Meer nicht überlebt.
Vorverurteilt durch die Taten einzelner Spinner
Judith Rakers: „Mittlerweile hat sich die Stimmung in diesem Land verändert. Was denken Sie, wenn Sie in der Zeitung von Straftaten mit Migrationshintergrund lesen?“ Amman Bilal ist besorgt, er sei auch ein Flüchtling. Hierzulande ein ganz normaler Mensch, aber Flüchtling, und so mache er sich große Sorgen, eines Tages den deutschen Pass wegen anderer, die Straftaten verüben, nicht zu bekommen.
Peter Bollhagen lebt in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung mit einem aus Nigeria stammenden Partner. Die beiden sind inzwischen seit sechs Jahren verheiratet. Er könne nicht sagen, dass die gesellschaftlichen Ressentiments momentan mehr geworden sind. Das treffe statt den Schwarzafrikanern tatsächlich mehr die Syrer. Dabei machte Bollhagen den Bogen zu seiner Firma. Dort arbeiten 20 Personen aus anderen Nationen. Das seien alles Leute, die von morgens früh bis abends spät arbeiten, die auch bereits sind, am Wochenende zu arbeiten, und sich wirklich einsetzen. „Die fühlen sich natürich vorverurteilt, gerade aus dem arabischen Raum, durch die Taten von einzelnen Spinnern.“
Integration durch Arbeit als Erfolgsmodell
Das tägliche miteinander Umgehen, Integration durch Arbeit, sei laut Bollhagen das Beste, wie es funktionieren kann. Und sein Unternehmen sieht er als unbedingt positives Beispiel. „So viele unterschiedliche Nationen, so viele Kulturen und dann auch noch einen schwulen Chef und viele Kunden, wo – ohne Voruteile bedienen zu wollen – auch noch die Dame des Hauses das Sagen hat.“ Man müsse einfach akzeptieren, dass hinter diesen Menschen ganz, ganz harte persönliche Schicksale stehen. Und trotzdem sagt er auch uneingeschränkt, wer sich hier nicht einbringen wolle, der habe dann auch kein Gastrecht.
Nächster Handwerker erblickt das Licht der Welt
Im Pulikum saß übrigens auch Bilals schwangere Frau. Das Kind soll im April zur Welt kommen. Schon jetzt ist klar, dass es ein Junge und – so Amman Bilal, natürlich „ein Handwerker“ wird.
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((Beitragsbild oben von links: Ammar Bilal und Peter Bollhagen bei 3nach9 über gelebte Integration.))




BremenNews - Jörn Petersen

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