Orient Backhaus in Bremen-Huchting dauerhaft geschlossen: Es bleiben Fragen
Die von den Lebensmittelkontrolleuren im Orient Backhau in Bremen-Huchting festgestellten Mängel waren erheblich. Und das nicht zum ersten Mal. In der aktuellen Veröffentlichung, zu der die Behörde bei Feststellung solcher Mängel verpflichtet ist, gehen Hinweise auf massiven Schimmel, auf die Lebensmittel und Arbeitsutensilien herabtropfendes, verunreinigtes Wasser und nicht vorhandene Möglichkeiten zum Händewaschen hervor. Das aber ist lediglich ein Auszug. Das Filialunternehmen bekam die Möglichkeit, die Mängel zu beseitigen. Die wurde nicht genutzt. Der Betrieb ist dauerhaft geschlossen. Die Signale für die Branche könnten alarmierender kaum sein.
Zitate aus dem Prüfbericht der Lebensmittelkontrolle sprechen Bände: „Der gesamte Deckenbereich im Produktionsraum war dunkel verfärbt und mit Schmutzablagerungen behaftet. An der gesamten Oberfläche der Decke wurde eine massive Tropfwasserbildung festgestellt welche im großen Maße vom Deckenbereich herabfiel. Die im Produktionsraum hergestellten Backwaren, gelagerten Rohstoffe sowie benötigten Gerätschaften und Bedarfsgegenstände wurden vom herabfallenden, verschmutztem Tropfwasser stark benetzt. Dieses Tropfwasser wurde auf den Teiglingen, den Backwaren, in den offenen Mehlsäcken direkt im Mehl tropfenförmig sowie auf den gelagerten Mehlsäcken vorgefunden.“ Der gesamte Bericht ist zweiseitig und somit ungewohnt umfangreich.
Am 27. Januar 2025 wurde nach vorheriger Mängelanzeige das Behandeln von offenen Lebensmitteln wieder gestattet. Eine Nachkontrolle sollte am 20. Februar erfolgen, um die eingeleiteten Maßnahmen zur Mängelbeseitigung des Tropfwasser zu überprüfen. Das allerdings war den Kontrolleuren nicht möglich, zumal sie keinen Zutritt erhielten. Personal war zwar anwesend, ebenso wurden Backwaren produziert. Geöffnet wurde nicht. Stattdessen konnte die Nachkontrolle erst am 03. März durchgeführt werden, mit dem Resultat, dass der Betrieb aufgrund wiederum erheblicher Hygienemängel erneut geschlossen werden musst. Der Betrieb ist Stand 21. März weiterhin geschlossen. Auf der Internet-Präsenz findet sich der Hinweis „dauerhaft geschlossen“.
Auch nach der Schließung verbleiben Fragen. So ist der Betreiber an weiteren Standorten aktiv, lediglich der Betrieb in Huchting wurde eingestellt. Backwaren werden dem Vernehmen nach ersatzweise aus Betrieben in Bremen, Hamburg und Osnabrück bezogen. Was aber bedeutet das für die Beachtung von Hygienevorgaben und den grundlegenden Umgang mit Lebensmitteln, die vom weiterverarbeitenden Produzenten in Umlauf gebracht werden, bei dem schlussendlich gutgläubige Konsumenten die Herkunft der Waren kaum wirklich nachvollziehen können?
Geschäftlich banal scheint die Frage, weshalb im Anschluss an eine behördliche Lebensmittelkontrolle mit temporärer Schließung und der fristsetzenden Option zur Mängelbeseitigung eben das nicht umgesetzt, stattdessen die Nachprüfung billigend verweigert und stattdessen gleich der ganze Filialbetrieb geschlossen wird. Erlaubt eine solche Unternehmenspolitik Rückschlüsse auf fachliche Inkompetenz oder gar den mangelhaft respektvollen Umgang mit der Gesundheit der Verbraucher?
Wie es sich in diesem Punkt mit der Verhältnismäßigkeit der getroffenen oder eben nicht erfolgten Maßnahmen verhält, können die nunmehr ehemaligen Betreiber nur für sich selbst entscheiden. Tatsächlich aber verbleibt ein schales Gefühl, das sich in ohnehin restriktiven und kritischen Zeiten innerhalb der Lebensmittelindustrie und Gastronomie zu einem Sog in der öffentlichen Meinungsbild auswirken könnte. Tatsache ist, dass die negativ belastet verpflichtenden Veröffentlichungen sich häufen. Ein Signal, dem lebensmittelverarbeitende Unternehmen dringendst entgegenwirken sollten.








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