Lastenfahrräder in Bremen zwischen Anspruch und Realität – scheitert das Thema am Raumangebot?

Bremen will sich zunehmend den Ruf als Fahrradstadt sichern. Die Bikes sollen eine wesentliche Säule des ökologisch verträglichen Individualverkehrs darstellen. Im Gesamtkonzept spielen auch die Lastenfahrräder eine bedeutende Rolle. Doch bereits für herkömmliche Fahrräder oder E-Bikes existiert laut ADFC Nachholbedarf. Sind die großdimensionalen Lastenfahrräder alltagstauglich?

Unbestritten ist, dass Bremen im bundesdeutschen Städtevergleich über sehr viele Radwege verfügt. Die Hauptrouten umfassen immerhin zum jetzigen Zeitpunkt bereits rund 573 Kilometer. Moniert wird von den Experten allerdings, dass etliche davon nicht mehr den zeitgemäßen Anforderungen entsprechen. Aufgrund des Zustands sind sie vielfach nicht mehr vernünftig und sicherheitskonform befahrbar und darüber hinaus schlichtweg viel zu schmal. Wer beispielsweise über die Erdbeerbrücke von Habenhausen Richtung Peterswerder in teils zentimeterkurzer Distanz zu Pkw und Transportern mit gleichzeitigem Fahrradgegenverkehr radelt, weiß ein Lied davon zu singen. Wie passen Lastenfahrräder in den aktuellen Status quo?

Zahlreiche Fahrradrouten in marodem Zustand

Tatsächlich sind aktuell etliche der Fahrradstreifen nicht mehr als benutzungspflichtig gekennzeichnet, zumal der Sanierungsstau es nicht hergibt. Zudem sind Bremens Straßen in Stadtteilen wie Findorff, der Neustadt, Hulsberg und vielen weiteren eng, zu eng. Die Thematik des „aufgesetzten Parkens“ ist seit gefühlten Ewigkeiten in der Diskussion. Die Stadtplaner und Politiker suchen händeringend nach Lösungen, bislang ohne nennenswerten Erfolg.

Abseits der Premiumrouten wenig geschehen

Obschon im Verkehrsentwicklungsplan aus dem Jahr 2014 definiert ist, was bis 2027 gebaut und saniert werden soll, ist seither de fakto nicht allzu viel geschehen. Einige Projekte befinden sich weiterhin in den Kinderschuhen. Statt Vorhandenes zu sanieren, damit Radfahrende sicher sind, werden üblicherweise die noch unter Maike Schäfer forcierten Premiumrouten wie der Wallring als Leuchtturmprojekte genannt. Die vorhandenen Radwege bleiben auf der Strecke. Dabei geht es eigentlich um Platzverteilung. Lastenfahrräder passen perfekt in die Zukunft, doch die Gegenwart passt nicht zu Lastenfahrrädern.

Radwege sind für Lastennutzung schlicht zu schmal

Der Eigenanspruch lautet, die Straßen durch Lastenfahrräder und E-Lastenräder sauberer und sicherer zu machen. Das mag durchaus eine lobbyistische Absichtserklärung mit dem typischen zweiten Schritt vor den ersten sein. Im Grunde genommen könnten die Lastenräder aufgrund ihrer Dimensionen als die SUVs der Radfahrer verstanden werden. So sind sie zweifellos praktisch und in ökologischer Hinsicht nicht minder sinnvoll. Doch der notwenige Platz ist nur auf Ausnahmestrecken vorhanden. Spätestens dann, wenn sich zwei dieser Räder auf einem beengten Weg entgegenkommen, wird’s mit immanenter Unfallgefahr problematisch.

Noch sind Fördermöglichkeiten vorhanden

Die Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität und Stadtentwicklung in Bremen bietet seit 2022 eine Lastenradförderung an. Die ermöglicht es Bremerinnen und Bremern, Privatpersonen, Vereinen und Kleinstunternehmen ein Lastenrad oder Fahrradanhänger zu kaufen und einen Zuschuss für den Kauf zu erhalten. Die Lastenrad-Förderung Bremen beträgt bis zu 40 Prozent des Kaufpreises, maximal 1.000 Euro für Lastenräder mit E-Antrieb oder ohne E-Antrieb und Fahrradanhänger mit E-Antrieb. Wie die Fördermöglichkeiten sich entwickeln, bleibt schlussendlich angesichts der Verteilung der Summen aus dem Infrastrukturpaket der Berliner Koalition abzuwarten. Oder um es pragmatisch auszudrücken: Bremen befindet sich auf einem guten Weg, aber die Wege sind noch nicht gut.

 

((Beitragsbild: Lastenfahrrade im öffentlichen Raum – Freepik))

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