Krankenhäuser in Bremen seit Jahren am Limit: Hat sich etwas verbessert?
Die Kliniken in Bremen stehen trotz Reform des Gesundheitswesens weiterhin personell als auch finanziell unter Druck. Indes Patienten und sogar Notfallpatienten das durch zunehmend lange Wartezeiten erleben, sind befinden sich die Mitarbeitenden selbst lange nach Corona noch immer im pausenlosen Dauerstress.
Seit Jahren hatte sich die Personalsituation zugespitzt. Bereits 2023 waren beim Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) knapp 300.000 Überstunden angehäuft worden. Die Geno wollte die geleistete Mehrarbeit auszahlen, wobei der Geldwert der Überstunden im zweistelligen Millionen-Bereich lag. Der Pflegekräftemangel und überfüllte Notaufnahmen bringen das System weiterhin an seine Grenzen. Wie auch bundesweit spüren die Patienten den Notstand in den Notaufnahmen als auch auf den regulär interdisziplinären Stationen mit extrem langen Wartezeiten.
Notfalltransporte in zu weit entfernte Kliniken
Wer einen Blick allein in die Wartezimmer der Notfallstationen wirft, trifft vielerorts auf deutlich sichtbare Info-Tafeln, auf denen die unvermeidbaren Wartezeiten mit Krankheitsfällen und Unterbesetzung erklärt und die Patienten um Verständnis gebeten werden. Ähnliche Signale erfahren auch Rettungssanitäter, die bei Notfalleinlieferungen üblicherweise die nächstgelegene Klinik anzufahren haben.
Die „nächstgelegenen Krankenhäuser“ haben aber nicht selten aufgrund von Überlastung den möglichen Anfahrtsstatus bereits auf „Rot“ gestellt. In der Notfallrealität kann das beispielsweise bedeuten, dass Notfallpatienten etwa von Bremen-Osterholz erst zeitaufwendig ins Klinikum Lilienthal gefahren werden.
Wenn Angst auf Stress trifft
Die Ärzte, Sanitäter, Pflegekräfte und medizinischen Fachangestellten arbeiten mit bewundernswertem Einsatz. Allerdings sollte – um es salopp auszudrücken – jedem bewusst sein, dass man auch keinen Ferrari permant mit Tempo 300 fahren kann. Das Resultat ist Erschöpfung und Stress. Der trifft vor Ort auf die selbstverständliche Angst von Patienten und deren Angehörigen, eigentlich ein mental nicht auflösbares Szenario.
Das Perfide daran: Obschon die realen Zahlen allenfalls Insidern bekannt sind, spürt jeder, dass die Situation sich keinesfalls verbessert, sondern schleichend verschlechtert. Denn es fehlt an allem, besonders an ausreichendem Personal. Dass sich das zumindest mittelfristig kurzfristig verbessern wird, ist allerdings nicht absehbar.
In deutschen Krankenhäusern fehlen schätzungsweise 5.500 ärztliche Vollzeitkräfte, was bedeutet, dass bundesweit 4,1% der Arztstellen unbesetzt sind. Darüber hinaus fehlen interdisziplinär gegenwärtig 5.000 Studienplätze jährlich. Die daraus resultierende Prognose: Innerhalb der kommenden zehn Jahr wird es hierzulande 50.000 Ärzte zu wenig geben, wodurch sich die Realität der Kliniken als Anlaufstelle weiterhin verschärft.
Immer noch immenser Investitionsstau
Gleichermaßen gilt die Unterversorgung auch für die notwendigen Baumaßnahmen der Krankenhausgesellschaft. Bis 2024 waren dem Verbund 50 Millionen Euro zugesagt, was aber beileibe für die Sicherstellung der Versorgung nicht ausreichen würde. So hatte die Krankenhausgesellschaft für Bremen und Bremerhaven mit 112 Millionen Euro einen erforderlich mehr als doppelt so hohen Betrag beziffert.
Vom Bremer Gesundheitsressort wurde das keinesfalls vollständig übernommen. Eingeräumt wurde lediglich ein Mehrbetrag von 22 Millionen Euro, woraufhin die Gesundheitssenatorin verlauten ließ, sie werde sich „bemühen“, die Lücke in den Haushaltsverhandlungen für 2025 zu schließen. Eine bis dahin etwas nebulöse Aussage, die bislang der praktischen Umsetzung entbehrt.
Volksbegehren gegen LDW-Schließung angestrebt
Stattdessen wird weiterhin die Schließung des Klinikums Links der Weser (LdW) vorangetrieben, dessen Fachabteilungen – auch die Kardiologie als bundesweites Aushängeschild – in das Klinikum Mitte in der St.-Jürgen-Straße integriert werden sollen. Die Bürgerinnen und Bürger im Bremer Süden befürchten aufgrund der Schließung eine massive Unterversorgung, insbesondere auch bei Notfällen.
Um dieses eigentlich längst entschiedene Vorhaben zu stoppen, hatte eine Initiative aktuell die Zulassung eines Volksbegehrens auf den Weg gebracht, wobei die erforderliche Anzahl von 5.000 Stimmen für den Antrag auf Zulassung beim Landeswahlleiter schon fast erreicht ist. Nach der Zulassung müssten sich für einen Erfolg des Volksbegehrens rund 25.000 Unterstützende finden.
Zielsetzung der Initiative ist es, ein Gesetz festschreiben zu lassen, dass Bremen dazu verpflichtet, weiterhin vier kommunale Krankenhäuser in Bremen sowie eines in Bremerhaven zu betreiben. Die Schließung der Klinik in Obervieland wäre damit nicht mehr umsetzbar, die Versorgung des Bremer Südens gesichert.
Das Fazit kann nur lauten, dass die überproportionale Bugwelle während der Corona-Krise zwar abgeflacht ist, eine tatsächliche Entspannung aber weiterhin nicht absehbar ist. Währenddessen soll etwa die Infrastruktur mit Brücken, Autobahnen, dem Zugnetz als auch dem Öffentlichen Nahverkehr vorangetrieben werden. Zahlreiche weitere Baustellen werden mit dem milliardenschweren Konjunkturpaket der Bundesregierung in Angriff genommen. Aber wie sagt der Bremer? „Ohne Gesundheit ist alles nichts.“





BremenNews - Jörn Petersen



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