Iris Berben und Sandra Quadflieg – Zwei Powerfrauen gehen mit neuem Hörbuch an den Start

03. 03. 2021 um 16:06:17 Uhr | BremenNews-Redaktion
Werbung
Werbung
cambio
Werbung
sandercenter.de
Werbung

Die gebürtige Bremerin und bekannte Schauspielerin Sandra Quadflieg hat mit dem bisher unvertonten Briefwechsel zwischen Sarah Kirsch und Christa Wolf ein neues Herzensprojekt umgesetzt. In ihrem neu erschienenen Hörbuch „Wir haben uns wirklich an allerhand gewöhnt“ verleiht sie gemeinsam mit Schauspielerin Iris Berben den beiden hochrangigen Schriftstellerinnen eine Stimme.

„Liebe liebe Christa schön daß Du noch hier geblieben bist auf dem beknackten Planeten!“, so schreibt es Sarah Kirsch im Jahr 1988 an ihre Freundin, Christa Wolf, die kurz zuvor eine lebensgefährliche Krankheit überwunden hat. Fast dreißig Jahre sind die beiden Autorinnen zwischen 1962 und 1990 mittels Briefen im Austausch – mal über Alltägliches wie Männer, Kinder oder die Arbeit im Garten, mal über die Schriftstellerei und immer öfter auch über das politische System, in dem sie lebten und das sie letzten Endes ihre außergewöhnliche Freundschaft kostet. Der Briefwechsel zwischen den beiden Frauen, die viele womöglich aus ihrer Schulzeit kennen, offenbart tiefe persönliche, emotionale wie auch politische Einblicke in das Leben zu DDR-Zeiten und zeigt, wie sehr ein politisches System eine Freundschaft verändern kann.

Da steckt viel Herzblut drin

Die Idee, den Briefwechsel der beiden Frauen zu vertonen, stammt von der gebürtigen Bremerin Sandra Quadflieg, die inzwischen in Hamburg zuhause und seit 2002 als Schauspielerin tätig ist. Sowohl auf der Bühne als auch vor der Kamera war Quadflieg inzwischen in diversen Theater-, Film- und Fernsehprojekten tätig, unter anderem in „Die Entdeckung des Himmels“ (Altonaer Theater), „Jürgen – Heute wird gelebt“ (Kino) oder “Großstadtrevier” (ARD). „Ich war so begeistert von diesen beiden Frauen und ihrem Briefwechsel, dass ich direkt meinen Verlag darauf angesprochen habe“, erklärt Quadflieg. Bereits zuvor hatte sie mit ihren vertonten Briefwechseln zwischen Claire und Yvan Goll sowie Hannah Arendt und Mary McCarthy große Erfolge erzielt, sodass der Verlag ihrem Vorschlag sofort zustimmte. Auch ihre Wunsch-Partnerin Iris Berben war begeistert von der Idee. Insgesamt brachte Quadflieg rund ein Jahr mit Recherchen und den Arbeiten am Manuskript zu, ehe sich die beiden Frauen im Studio in Berlin trafen, und das Werk innerhalb von einer Woche einsprachen. Auch die Regiearbeit übernahm die gebürtige Bremerin. „In diesem Projekt steckt so viel Herzblut. Es ist einfach was ganz anderes, als ein rein kommerzieller Auftrag, wo der Verlag auf einen zukommt und sagt‚ sprich mal den neuen Bestseller ein‘“, erklärt die 41-Jährige.

Gezielte Hintergrund-Informationen

Wie viel Arbeit hinter dem Projekt steckt, offenbart auch die Menge an Hintergrundinformationen, die Quadflieg gekonnt im Zusammenspiel mit den Briefen eingewoben hat. So werden auch Zuhörer, die sich womöglich zuvor noch nie mit den beiden Autorinnen auseinandergesetzt haben, mitgenommen auf eine emotionale Reise durch die Zeit. Dabei belässt es Quadflieg nicht bei den Briefen zwischen 1962 und 1990, sondern geht auch auf die Streitigkeiten nach dem Briefwechsel ein. „In Interviews im Jahr 2010 hat Sarah Kirsch noch sehr böse Kommentare über ihre ehemalige Freundin und deren Sichtweise auf die DDR geäußert“, erklärt Quadflieg. Es sei ihr wichtig gewesen, auch das mit einfließen zu lassen, da es ebenfalls zeigt, wie tief die Auseinandersetzungen der beiden Frauen verwurzelt sind. „Fast jeder hat Christa Wolf in der Schule gelesen und auch Sarah Kirsch und ihre Werke sind sehr bekannt“, so die Schauspielerin, „Ich versuche aber vor allem die Menschlichkeit heraus zu kitzeln und ich sage auch meinen Schauspielerkollegen, wenn wir das einsprechen: ‚Lass uns das nicht schön sprechen, sondern lass uns das zum Leben erwecken – lass uns das spielen‘ Naja und dann kommt es im Studio eben vor, dass gelacht und geweint wird“, so Quadflieg.

Jahrzehnte unzertrennlich, dann zerstritten für immer. “Wir haben uns wirklich an allerhand gewöhnt” zeigt, wie viel Einfluss ein politisches System auf eine Freundschaft nehmen kann. Bildquelle: Random House Audio

 

Lesereise und weitere Projekte in Arbeit

Das neue Hörbuch „Wir haben uns wirklich an allerhand gewöhnt: Der Briefwechsel“ ist am 22. Februar im Hörverlag „Random House Audio“ erschienen. Geplant ist laut Quadflieg auch eine Lesereise durch Deutschland, aufgrund der Corona-Pandemie muss das aber erst noch warten. In der Zwischenzeit hat die Schauspielerin aber auch so reichlich zu tun: „Derzeit recherchiere ich schon für das nächste Hörbuch, das dann hoffentlich nächstes Jahr erscheint. Außerdem stehen zwei Hörbuch-Projekte zu Kriminalromanen an, diese stecken aber noch in den Kinderschuhen“, verrät sie. Und dann sind da ja auch noch die vielen ehrenamtlichen Projekte – Quadflieg ist nämlich unter anderem im Vorstand der Benita Quadflieg Stiftung tätig, die sich für Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, Behinderungen und frühkindlichen Traumata einsetzt. Darüber hinaus ist sie Repräsentatin von „Women in Film and Television Germany“, einem internationalen Businessnetzwerk für Frauen in der Film- und Fernsehbranche, und seit 2018 Schirmherrin des Norddeutschen Knochenmark- und Stammzellspenden-Registers, das sich für Blutkrebspatienten einsetzt. Quadflieg engagiert sich darüber hinaus auch im Vorstand des Vereins Lebendiger Jungfernstieg, der Kultur ins Herz der Stadt Hamburg bringt. Langeweile dürfte bei dieser Powerfrau also definitiv nicht aufkommen.

Beitragsbild: Iris Berben (links) und Sandra Quadflieg (rechts) bei ihrer Arbeit im Tonstudio. Bildquelle: Random House Audio/Anita Back.




Werbung
fotoboxen-bremen.de

Kommentar schreiben




Ihre Kommentare