Homophober Mann schlägt in Bremer Straßenbahn vermeintlich lesbische Freundinnen brutal zusammen

Am Freitagabend hat ein 25-Jähriger in einer Straßenbahn auf zwei junge Frauen im Alter von 18 und 19 Jahren eingeprügelt. Offensichtlicher Auslöser soll gewesen sein, dass die beiden sich küssten. Zunächst kam er auf sie zu und beleidigte sie aufgrund ihrer angeblich lesbischen Orientierung queerfeindlich. Dann schlug der homophobe Pöbler sie brutal zusammen, die Jüngere der beiden derart gewaltsam, dass sie bewusstlos zusammenbrach. Jetzt ermittelt der Staatsschutz.

Die beiden Frauen waren kurz nach 23:00 Uhr an der Haltestelle Haferkamp in die Straßenbahn der Linie 8 gestiegen und wollten zum Hauptbahnhof. In ersten Meldungen hieß es: „Zärtlich geben sich die beiden einen Kuss.“ Das entspricht nicht der Wahrheit, denn es handelt sich keinesfalls um ein lesbisches Pärchen, sondern lediglich um zwei Freundinnen, die einen Kussmund für ein Selfie andeuteten. Schon das passte einem homophoben Mann gar nicht. Nach kurzem verbalen Wortgefecht schlug er einer der beiden Frauen unvermittelt und mehrfach mit der Faust ins Gesicht. Dem bereits am Boden liegenden Opfer trat er auch noch mit dem Fuß in den Bauch. Beide Frauen mussten per RTW zur ambulanten Behandlung ins Krankenhaus St. Joseph-Stift gebracht werden.

Nach fünftem Schlag bewusstlos

Eine der Betroffenen schildert die Situation aus eigener Perspektive: „Gestern Abend bin ich mit meiner Freundin in die Bahn gestiegen. (…) Meine Freundin und ich wollten ein Bild von uns machen, auf dem wir uns einen Kussmund gegeben haben. Ein Mann, der neben uns auf dem anderen Vierer-Platz saß, fing an, uns zu beleidigen. (Sprache unklar). Kaum weggeschaut, hatte ich die erste Faust in meinem Gesicht, zuerst auf der linken Seite. Meine Freundin hat versucht ihn wegzuhalten, leider ohne Erfolg. Auf der rechten Seite bekam ich dann die zweite Faust in mein Gesicht. Ich fing an ihn zu fragen, warum er das macht. Keine klare Antwort, nur ein Tritt in meinen Oberbauch. Darauf spuckte er mich an. Direkt in mein Gesicht. Ich konnte mich nicht mehr halten, habe angefangen zu schreien. In der leisen Hoffnung, dass irgendwer helfen kommt. Die Bahn fuhr weiter. Es kam kurzzeitig ein Mann, der daraufhin schnell wieder weg war und nicht wirklich geholfen hatte. Danach kam ein nächster Schlag, der mich schon zum Schwanken brachte. Und der fünfte und letzte Schlag war der, nach dem ich bewusstlos wurde.“

Weshalb hat niemand geholfen?

In den sozialen Medien explodieren die Kommentare, die aus den unterschiedlichsten Perspektiven kommen. Etliche davon beziehen sich auf die osteuropäische Herkunft des Täters, andere kommentieren das – wie nicht anders zu erwarten – mit der Stadtbilddebatte. Der 25-Jährige ist Rumäne, also Europäer. Offensichtlich durch die Berichterstattung der angeblich lesbischen Frauen angestachelt, sehen sich andere zu moralisierenden Bemerkungen motiviert, sowas gehöre schließlich nicht in die Öffentlichkeit. „Müssen die ja auch nicht öffentlich machen. Ich möchte auch nicht sowas sehen.“ Weitaus lauter ist aber der Aufschrei, weshalb niemand den beiden geholfen hat. Und da geht es keinesfalls um sexuelle Orientierung, die heutzutage ohnehin kein Thema mehr sein sollte, sondern schlichtweg um fehlende Zivilcourage. Umso schlimmer, weil Gewalt gegen Frauen nach wie vor alltäglich ist. Tatsache ist: Frauen haben ein reales Sicherheitsproblem in unserer Gesellschaft.

Staatsschutz ermittelt

In der Polizeimeldung heißt es: Einsatzkräfte der Taskforce, die schwerpunktmäßig im Bahnhofsumfeld eingesetzt waren, bemerkten den Vorfall, stoppten die Bahn und stellten den Tatverdächtigen. Der 25 Jahre alte Mann aus Rumänien wurde für weitere Maßnahmen mit aufs Revier genommen. Die Kriminalpolizei ermittelt nun wegen gefährlicher Körperverletzung gegen ihn. Der Staatsschutz, der bei Fällen von Hasskriminalität zuständig ist, hat die weiteren Ermittlungen übernommen.

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((Beitragsbild oben: Symbolbild Straßenbahn am Hauptbahnhof))

 

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