Hörabenteuer voller Energie und Botschaften zum Zeitgeschehen: Antrittskonzert der HfK-Professorin Tanja Tetzlaff

Seit dem 1. April 2024 ist die Cellistin Tanja Tetzlaff Professorin an der Hochschule für Künste (HfK) Bremen. Bei ihrem Antrittskonzert am 5. Dezember um 20 Uhr, im Konzertsaal an der Dechanatstraße 13-15 wird sie von Professor Martin Stadtfeld am Klavier begleitet.

Eröffnet wird der Abend mit Ludwig van Beethovens sieben Variationen „Bei Männern welche Liebe fühlen“ (1801), die sich auf ein Duett zwischen Pamina und Papageno in Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ beziehen und im Dialog von Cello und Klavier interpretiert werden.

„Das ist unglaublich schön komponiert, ein Juwel sehr, sehr kommunikativer Kammermusik“, sagt Tanja Tetzlaff, „jede Variation scheint eine andere prototypische Person aus der Opernwelt darzustellen, der oder die Lustige, Traurige, Dramatische, Verliebte und so weiter. Das zu spielen, macht großen Spaß.“

Darauf folgt Henriëtte Hilda Bosmans Cello-Sonate (1919). „Die Komponistin war für mich noch total unbekannt, als mich zufällig jemand auf dieses Werk aufmerksam gemacht hat“, so Tetzlaff weiter. „Ich bestellte mir die Noten und war sofort Feuer und Flamme: dieses Selbstbewusstsein einer Frau in der damals sehr von Männern dominierten Musikwelt eine Sonate mit vier Sätzen zu schreiben, die total eigenständig ist! Aufregende Musik mit krass viel Energie, teilweise brutal, aber auch wunderschön. Späte Romantik. Die Komponistin möchte ich unbedingt bekanntmachen.“

Appell, im Kampf gegen den Klimawandel nicht aufzugeben

Nach der Pause wird es mit „Black Ice“ zeitgenössisch. Entstanden sind die mittleren Sätze „Cracks“ und „Clouds“ 2018, nachdem Komponist und Dirigent Thorsten Encke ein Video gesehen hatte, in dem Menschen auf ganz dünnem und schwarz schimmerndem Eis Schlittschuh liefen. „Nur wenn man auf eine bestimmte Art mit einer ganz bestimmten Geschwindigkeit bestimmte Kurven fährt, bricht man nicht ein. Das wurde für uns beide dann ein Sinnbild für den Klimawandel“, erklärt Tetzlaff – also dem Gegenwartsgefühl, sich gerade auf dünnem Eis zu bewegen.

Wie die Musikern berichtet, versuche sie derzeit immer wieder in ihren Konzerten auf die Gefahren des Klimawandels hinzuweisen. Sie appelliert, im Kampf dagegen nicht aufzugeben. „Es ist nicht zu spät.“ “

Im Zuge einer Tetzlaff-CD komponierte Encke dann noch den 1. und 4. Satz von „Black Ice“. „„Der 1. Satz ,Preperations‘ ist noch voller Vorfreude und Ahnungslosigkeit, in den beiden mittleren Sätzen merkt man, die Katastrophe geschieht gerade, das Eis bricht weg. Recht apokalyptische Musik. Der letzte Satz ,Afterthoughts‘ gleicht dann einem Lamentoso“, so Tetzlaff.

Abschluss des Konzerts hat Gegenwartsbezug

Zum Finale des Antrittskonzertes erklingt Dmitri Schostakowitschs Cellosonate in d-Moll, op. 40 (1934): ein Hit in der Cello-Literatur. Tetzlaff dazu: „Das Tolle an Schostakowitsch ist, dass er Musik schreibt, die man gut hören kann und die doch seine Verzweiflung vermittelt.

Deswegen sollte man seine Werke gerade jetzt immer wieder spielen, weil sich seine Lebenssituation derzeit so schrecklich wiederholt in Russland und vielen anderen Staaten der Welt, also das Leben, Arbeiten, Leiden unter den Oppressionen eines diktatorischen Staates. Mal sehen wie das nun in den USA wird.“

Zur Frage, was das Programm über sie selbst aussage, antwortet die Cellistin: „Dass ich vielseitig unterwegs bin“, betont die Cellistin, „und dass ich Konzerte spiele, in denen das Publikum nicht abschalten, sich also nicht nur zurücklehnen und entspannen sollte. Keine Komponist:in hätte gewollt, dass so die eigene Musik wahrgenommen wird, alle wollen doch spannende Geschichten erzählen und musikalische Abenteuer erlebbar machen.“

Auch sie wolle erreichen was ein guter Theaterabend kann, nämlich,  das Publikum aufzurütteln, es anzuregen und eventuell Emotionen auszulösen, die das Publikum im Alltag nicht hat oder nicht rauslassen kann.

Das Antrittskonzert im Überblick

Termin

Wann: 5. Dezember 2024 | 20 Uhr

Wo: HfK-Konzertsaal, Dechanatstraße 13-15

Eintritt: frei
Mitwirkende

Tanja Tetzlaff: Cello

Martin Stadtfeld: Klavier

Programm

Ludwig van Beethoven: Sieben Variationen über „Bei Männern, welche Liebe fühlen”, aus Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Die Zauberflöte“, WoO 46 (1801),

Henriëtte Hilda Bosman: Sonate für Cello und Klavier (1919)

Thorsten Encke: Black Ice – for Solo Cello and Tape (2018/20),

Dmitri Schostakowitsch: Cellosonate in d-Moll, op. 40 (1934)

Über Tanja Tetzlaff

Tanja Tetzlaff wurde in Hamburg geboren und studierte dort an der Hochschule für Musik und Theater.  Von 1996 bis 2006 war sie Solocellistin der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Eine ihrer großen Leidenschaften gilt der Kammermusik.So ist Tetzlaff Gründungsmitglied des Tetzlaff Quartetts und gastiert seit 1994 gemeinsam mit Christian Tetzlaff, Elisabeth Kufferath und Hanna Weinmeister weltweit, ist aber auch mit anderen Kammermusikpartnern unterwegs und kuratiert die Kammerkonzert-Reihe im Sendesaal Bremen.

Außerdem ist die Cellistin als Solistin bei zahlreichen internationalen Orchestern und mit Soloabenden unterwegs. An der HfK Bremen lehrt Tanja Tetzlaff seit 1. April 2024 Kammermusik und ist Professorin für Cello: „Ich bin verliebt in meine Klasse, elf Bachelor- und Masterstudierende sowie einen Jungstudenten habe ich angenommen, über 80 Anmeldungen gab es.“

Tetzlaff spielt ein Cello von Giovanni Baptista Guadagnini aus dem Jahre 1776.

 

Bild ganz oben: Tanja Tetzlaff gibt ihr Antrittskonzert als HfK-Professorin für Cello am 5. Dezember 2024, 20 Uhr, im HfK-Konzertsaal.

Foto: Giorgia Bertazzi

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