Gesellschaft für aktuelle Kunst in Bremen: Ausstellungen von Kelly Weiss und Jasmin Werner / Doppeleröffnung

Die Bremer Gesellschaft für Aktuelle Kunst (GAK) eröffnet am 10. Oktober 2025 eine Doppelausstellung. Kelly Weiss und Jasmin Werner ermöglichen mit ihren Exponaten und Installationen die Auseinandersetzung mit dem Verstreichen der Zeit, der Erinnerung, dem Gedächtnis und wie die sich in der Architektur im urbanen Raum widerspiegeln. 

Quiet enough to forget ist die erste Einzelausstellung von Kelly Weiss in Deutschland. In urbanen und industriellen Räumen beobachtet die Künstlerin Beziehungen zwischen Materialen und sammelt u. A. Rost, Sedimente oder Polycarbonatplatten, die sie für ihre malerischen und installativen Arbeiten nutzt. Das von Weiss Gesammelte steht oft in Verbindung mit dem Verstreichen von Zeit und Aufmerksamkeit. So geht es in ihren Arbeiten häufig um die Wahl von (Bild-)Ausschnitten, aber auch um Modelle von Bewohner:innenschaft.

Der Stoff, auf dem einige der in der Ausstellung gezeigten Arbeiten entstehen, wird eine Zeit lang am Weserufer liegen, vom Rhythmus des Flusses beeinflusst und mitbearbeitet. Die Malerei, die Weiss auf dem Stoff vor und nach dem Kontakt mit dem Wasser setzt, bringt unterschiedliche Zeitlichkeiten, menschliche und mehr-als-menschliche Einwirkungen sowie das Gebäude miteinander in Verbindung. Sowohl Weiss Malerei als auch ihre skulpturalen Arbeiten können als Modelle von Bewohner:innenschaft betrachtet werden. Sie sind angesiedelt zwischen Innen und Außen, Abgrenzung und Differenz. Weiss schlägt in ihren Arbeiten einen Rahmen vor, um jenen Aspekten Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit zu schenken, die als flüchtig wahrgenommen werden, tatsächlich aber langfristig sind. Innerhalb der Ausstellung werden zudem als Inserts zwei Videos von Adele Dipasquale gezeigt, die sich mit Sprache als konstruiertes Werkzeug auseinandersetzen.

The Structure of Claim von Jasmin Werner ist die erste Ausstellung in der Reihe for fear of continuity problems, die sich in einem Teilbereich der GAK sowie den Posterrahmen im Außenraum mit Erinnerung und Gedächtnis auseinandersetzt. Nacheinander laden wir sechs Künstler:innen ein, diese Begriffe in ihren Arbeiten auf ganz unterschiedliche Weise zur Diskussion zu stellen. Jasmin Werner setzt sich in ihren Skulpturen und Installationen mit transnationalen Bewegungen auseinander und hinterfragt, wie sich diese u. A. in Architekturen niederschlagen. Die Macht, die Räume, Gebäude und Fassaden über Gegenwart und Erinnerung ausüben, durchquert sie mit Bildern und Erzählungen dessen, was ansonsten häufig außen vor bleibt. So verschränkt sie auch in The Structure of Claim vermeintliche Wahrheiten und Werte mit diasporischen Lebenswirklichkeiten und schlägt in ihrer Arbeit für die Posterrahmen Veränderungen an bestehenden Museumsfassaden vor.

In Posterrahmen zeigt Jasmin Werner Vorschläge, um die Gebäudefassaden bestehender Museen zu modifizieren. Während die jeweiligen Gesamtansichten der Museumsfassaden unverändert sind, hat sie in die Detailzeichnungen einzelne Fensterrolläden eingesetzt, welche händisch gemalte Werbung für Geldtransferfirmen zeigt. Repräsentative Architektur trifft so ganz unmittelbar auf die gegenwärtigen, alltäglichen Auswirkungen der extraktiven Praktiken, die mit den Sammlungen dahinter unmittelbar und mittelbar verknüpft sind. Als Orte der Erinnerung, desWissens und der Repräsentation sind die Museen Räume, in denen Machtansprüche,
Besitzverhältnisse und Selbstverständnis verhandelt und geformt werden. So bilden die Fassadenprogramme und die Fenstergestaltungen den architektonischen und den erinnerungspolitischen Rahmen für die globalgesellschaftlichen Bedingungen, aus denen sich Ria, Western Union, MoneyGram und Co. ableiten.

Die Reihe for fear of continuity problems ist die Einladung zu einem Ping-Pong-Spiel mit dem kleinen Buchladen der GAK und der Frage, wie sich Erinnerung, Perspektiven, Narrationen, Identitäten und Unbewusstes verräumlichen und öffentlich verhandeln lassen. Julia Horstmann hat für das gemeinsam konzipierte Projekt ein neues Bücherregal entworfen, das angelehnt ist an die Idee vom Gedächtnispalast, einer Methode der Erinnerung anhand von Räumen und Artefakten.

+++

((Beitragsbild oben: Posterinstallation von Kelly Weiss))

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert