„Findorff rockt“ – Organisatoren ernten massiven Protest von Musikern aus Bremen und Umgebung

Am Samstag, den 26. September 2026, soll der Bremer Stadtteil Findorff auf Initiative der Wirtschaftsinteressengemeinschaft Findorffer Geschäftsleute e.V. zur Bühne werden. Idee von „Findorff rockt!“ sei es, eine offene, niedrigschwellige Musikveranstaltung im Stadtteil zu ermöglichen, bei der die Vielfalt von Findorff gefeiert wird. Im Rahmen der @allesbremen-Aktionswoche suchen die Initiatoren aktuell nach „(…) Musiker*innen, die Lust haben, in den Findorffer Geschäften live auf Hut zu spielen“. Und ernten damit zahlreiche Proteste aus der regionalen Musikszene.

Massive Kritik begleitet von kreativer Ironie und nachvollziehbarem Zynismus von Musikern und Musikerinnen hagelt es aus Bremen und umliegenden Orten wie Delmenhorst oder Scharmbeckstotel. Moniert wird mangelnder Respekt vor Kunst und Künstlern und fehlende Wertschätzung. Insbesondere deshalb, da ein mit bis zu 120.000 Euro jährlich geförderter Verein die Musiker nicht angemessen honorieren, stattdessen für sich selbst risikolos ohne feste Gage oder Eintrittsgelder verpflichten will.

Zahlreiche Musiker sind empört, so etwa der Bremer Tour- und Studiodrummer/Percussionist Martin Krutzig, Pianist und Bandleader Piet Gorecki als auch Musiker aus Delmenhorst wie der Bassist Detlef Blanke, Sängerin Isabelle D’Ambrosio und Pianist Jens Buntemeyer oder der Gitarrist und Sänger Michael Dühnfort aus Hagen, wie auch die vielen weiteren allesamt hochqualifizierte Musiker der hiesigen Szene.

Gefragt wird beispielsweise: „Gehen wir demnächst auch in Restaurants, Wein- und Käseläden, lassen es uns drei Stunden gut schmecken und zahlen dann – auf Hut – wie wir wollen?“ Weitere Kommentare sind etwa „Liebe Geschäftsleute, wie wäre es denn, wenn ihr eure Waren oder Dienstleistungen auf Hut anbietet und stattdessen den Musikern eine angemessene Gage zukommen lassen würdet?“ oder „Findorff geizt wäre ein passender Name.“ Dabei haben die Kritiken eine besondere Qualität.

Dass es manche Kleinst-Locations gibt, die sich im Alltagsgeschäft die Verpflichtung von Musikern inklusive anfallender GEMA-Gebühren schlicht nicht leisten können, ist allen bewusst. Von kleinen Kneipen sei man das ja schon gewohnt, aber von offiziell bezuschusster Seite kommend wird ein derartiges Gebaren als „richtig“ frech empfunden. Die Entwertung der Musik (auch im Zuge der Streaming-Portale) sei sowieso schon schlimm genug: „Und auf Hut geht gar nicht.“ Im Fokus der gegenseitigen Fairness steht vielmehr die übereinstimmende Meinung, ein Verein, der auch Zuschüsse der Stadt Bremen erhält, sollte in der Lage sein, ein Budget aufzulegen.

Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt in diesem Kontext auch die Praxis der in der Regel ungleich verteilten Fördergelder. Während „Hochkultur“ – Theater, Oper, Klassik – ordentlich subventioniert werden, bekommt die freie Szene oftmals nur Krumen ab. Aufstrebende Events aus dem Bereich der Subkultur müssen regelmäßig ums Überleben kämpfen. Die Krönung der Geschäftspraktiken, die etlichen Musikerinnen und Musikern den Lebensunterhalt bis auf den letzten Atemzug zusammenstreicht, ist dann das „Spielen auf Hut“. Gegenentwürfe dazu gibt es in anderen Ländern durchaus. So beispielsweise in Frankreich, wo eine gesetzliche Mindestgage gilt.

Bereits während der Covid19-Pandemie mit den Lockdowns und Konzertabsagen hatte die Kultur- und Eventszene nach dem Motto „first in – last out“ erlebt, dass sie nicht als systemrelevant behandelt wird. Musiker, Veranstaltungstechniker, Roadcrews, Dienstleister und viele weitere hingen am Tropf der Corona-Hilfen, die sie nicht oder allenfalls mit reichlich Verzögerung bekamen. Ein fairer Umgang auf menschlicher Augenhöhe sieht sicherlich anders aus. Und ein Geschäftsmodell, bei dem Künstler nicht nach gemeinsamen Möglichkeiten angemessen honoriert werden, gehört eben nicht in den Hut, sondern in die Tonne.

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((Beitragsbild oben: Symbolbild – Freepik))

 

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