Einkaufstipp: Marktpatin Sabrina Tatgenhorst auf den Spuren des „Maroni-Manns“ – ein echter Bremer Freimarktsklassiker

Sie duften nach Herbst, nach Wärme und nach Kindheitserinnerungen: Maronen. Viele ältere Wochenmarktbesucherinnen und -besucher aus Bremen und der Region denken dabei sofort an den „Maroni-Mann“ vom Freimarkt. Doch längst entdecken auch jüngere Menschen die Esskastanie neu – ob als Suppe im (gehobenen) Restaurant oder als glutenfreie Alternative in der Küche. „Seit ein paar Jahren kommen deutlich mehr junge Leute zu uns und fragen nach Maronen“, erzählt Sabrina Tatgenhorst von Tatschi’s Kartoffeln. Sie bewirtschaftet mit ihrem Mann Nico und einem engagierten Team einen Hof in Sulingen und steht regelmäßig auf den Wochenmärkten in Findorff, Vegesack und Lesum. Aktuell ist sie Marktpatin der Wochenmärkte speziell für den herbstlichen Freimarktsklassiker, die Marone.

Botanisch gehört die Marone zur Familie der Buchengewächse. Ihre stacheligen Fruchthüllen schützen die glänzend braunen Nüsse, die sich klar von den giftigen Rosskastanien unterscheiden, aus denen wir als Kinder lustige Streichholzfiguren gebaut haben. In südlichen Regionen Europas waren Kastanienbäume über Jahrhunderte überlebenswichtig: Das aus den Nüssen gewonnene Mehl galt als „Brot der Armen“ und sicherte in Bergregionen die Ernährung. Heute schätzen wir die Marone vor allem als aromatische Delikatesse im Herbst und Winter.

Leicht, nahrhaft und glutenfrei

Im Vergleich zu anderen Nüssen sind Maronen kalorienärmer und fettarm, dafür reich an komplexen Kohlenhydraten, Ballaststoffen und Kalium. Auffällig ist ihr Vitamin-C-Gehalt – ein Nährstoff, der nach dem Garen zwar teilweise, aber nicht vollständig verloren geht. Ihr größter Trumpf: Maronen enthalten kein Gluten. „Das ist natürlich vor allem für Menschen mit Unverträglichkeiten wichtig“, weiß Tatgenhorst, die an ihrem Wochenmarktstand oft auch nach alternativen Produkten gefragt wird, wenn ihre Kunden bestimmte Lebensmittel nicht vertragen.

Worauf beim Einkauf achten?

Frische Maronen sollten prall und schwer in der Hand liegen, die Schale glatt und ohne Risse. „Luftige oder klappernde Exemplare deuten darauf hin, dass die Marone ‚Besuch‘ hatte. Kleine Raupen lieben das Fruchtfleisch genauso wie wir“, erklärt Tatgenhorst. Zuhause hilft im Zweifelsfall ein kurzer Wassertest: Schwimmt eine Marone oben, sollte man sie lieber aussortieren.

Frische Maronen sind von Ende September bis etwa Ende Februar auf dem Wochenmarkt zu bekommen. Meist werden sie aus Mittelmeerländern wie Italien oder der Türkei importiert.

Frische Maronen sind von Ende September bis etwa Ende Februar auf dem Wochenmarkt zu bekommen. Meist werden sie aus Mittelmeerländern wie Italien oder der Türkei importiert.

So einfach gelingt die Zubereitung

Viele Menschen schrecken vor der Zubereitung zurück – völlig zu Unrecht. „Das Wichtigste ist, die Maronen auf der gewölbten Seite einzuschneiden. Sonst platzen sie beim Garen“, sagt Tatgenhorst. Wie man das macht – ob mit einem scharfen Messer oder einer Schere, ob längs oder kreuzweise – das sei jedem selbst überlassen. „Es gibt zahlreiche Einschneide-Videos im Internet, da kann man abgucken“, sagt Tatgenhorst. Sie selbst übergießt die eingeschnittenen Früchte zunächst mit kochendem Salzwasser, lässt sie zehn Minuten ziehen und gibt sie dann – so nass wie sie sind – auf ein Backblech. Bei 180 Grad Umluft brauchen sie rund 20 bis 25 Minuten. „Der Duft, der dabei entsteht, ist einmalig. Ich bin sofort wieder sechs Jahre alt und stehe auf dem Freimarkt vor dem Maroni-Mann!“

Für Einsteiger und Fortgeschrittene

Wer Maronen noch nie probiert hat, sollte sie zuerst pur genießen. „Frisch aus dem Ofen als Snack sind sie ein Gedicht – noch dazu ein vergleichsweise kalorienarmes“, schwärmt Tatgenhorst. Fortgeschrittene können sich an einer Suppe versuchen. „Da kann man zur Not auch mal faul sein und vorgegarte Maronen verwenden, die es im Handel gibt.“ Auch als Beilage zu Wild, im Risotto oder kombiniert mit Kürbis entfalten sie ihr süßlich-nussiges Aroma.

Wer seinen Grill auch im Herbst und Winter nicht einmottet, kann ihn ja mal zum Maronenrösten anheizen. Sicher ein toller Snack zum Glühwein.

Wer seinen Grill auch im Herbst und Winter nicht einmottet, kann ihn ja mal zum Maronenrösten anheizen. Sicher ein toller Snack zum Glühwein.

Saison und Herkunft

Auf den Bremer Märkten gibt es Maronen von Ende September bis etwa Februar. „Wir beziehen unsere Ware von Hussein Demirel auf dem Großmarkt. Seine Familie hat in der Türkei eigene Esskastanien. Da weiß ich, dass ich Qualität bekomme“, erklärt Tatgenhorst. In Deutschland wachsen Esskastanien vor allem an der Südlichen Weinstraße in der Pfalz, entlang des Oberrheins oder an der Mosel – im Norden sind sie (noch) nicht zu finden.

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((Beitragsbild oben: Die aktuelle Marktpatin in Bremen Sabrina Tatgenhorst baut mit ihrem Mann Nico auf ihrem Hof in Sulingen vor allem Kartoffeln und Gemüse an. Was bei ihr nicht wächst, kauft sie möglichst regional dazu. Nur bei Maronen macht sie eine Ausnahme. Aus nostalgischen Gründen.))

 

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