Drug-Checking in Bremen – lässt sich damit die Zahl der Drogen-Toten senken?
Die Zahl der an den Folgen des Konsums illegaler Drogen Gestorbener steigt in Bremen. Im Jahr 2024 auf 35 Menschen, von denen zehn noch keine 35 Jahre alt waren. Experten des Gesundheitsamtes vermuten als Zusammenhang die Tendenz, dass Heroin immer häufiger mit synthetischen Opioiden vermischt wird, die eine 50- bis 500-fach höhere Wirksamkeit als Heroin haben. Das Problem: Die Konsumierenden kennen die Zusammensetzung der Drogen auf dem Schwarzmarkt nicht. Die Gefahr der Überdosierung steigt aufgrund der Unkenntnis.
Nun hat der Senat eine Initiative angestoßen, mit der die rechtlichen Voraussetzungen für ein sogenanntes Drug-Checking-Projekt geschaffen werden sollen. Konsumierende könnten dann die in der Regel auf dem Schwarzmarkt gehandelten Drogen auf etwaige Verunreinigungen, den tatsächlichen Wirkstoffgehalt und potenziell gefährliche Inhaltsstoffe testen lassen – anonym, ohne rechtliche Konsequenzen und kostenlos. Zum aktuellen Zeitpunkt sei noch nicht geklärt, in welcher Form – ob stationär an festen Standorten oder mobil – das Projekt in Bremen umgesetzt werden könnte.
Doch Beispiele aus anderen Bundesländern und Städten zeigen längst wissenschaftlich belegbare Erfolge. So hatte sich in Berlin gezeigt, dass nur etwa 45 Prozent der Proben den erwarteten Wirkstoff enthielten. Demgegenüber wurden in mehr als 53 Prozent Beimischungen nachgewiesen, von denen etliche auch potenziell gefährlich sein können. In Hamburg hatte der Senat Anfang des Monats eine Drug-Checking-Verordnung beschlossen, wobei Hamburg zweigleisig auf Drug-Checking in stationär zugelassenen Laboren sowie Drogenkonsumräumen setzen will.
Ein bislang einzigartiges Modellprojekt läuft in Mecklenburg-Vorpommern. Dort gibt es aktuell mobile Teststationen in Clubs oder auf Festivals, bei denen Konsumierende Drogenproben kostenlos und anonym abgben können, woraufhin diese unmittelbar vor Ort mit mobilen Laborgeräten untersucht werden. Das Resultat liegt innerhalb weniger Minuten vor.
Die ganz pragmatische Problematik, deren Antwort sich bislang nicht erschließt, dürfte in der Situation der Drogenabhängigen selbst liegen. Was geschieht, sobald in der Droge lebensgefährdende Inhaltsstoffe identifiziert wurden? Dealer, die ihnen das gestreckte Zeug untergejubelt haben, werden kaum zu belangen und zu einem „Umtausch“ erst recht nicht bereit sein. Doch die Sucht ist der immerwährend unbarmherzige Begleiter. Werden die Betroffenen auf den Schuss oder die Line verzichten? Somit könnte Drug-Checking ein richtiger Schritt sein, jedoch allenfalls einer von vielen. Einen Versuch ist es allemal wert, um mit diesem weiteren Baustein Menschenleben zu retten.





Symbolbild Freepik

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