Doch kein Radfahrverbot in den Bremer Wallanlagen

Der Streit um die mangelnde Rücksichtnahme von Radfahrern auf den Wegen der Bremer Wallanlagen schwelt seit vielen Jahren, ein Ende weiterhin nicht absehbar. Insbesondere an der Engstelle an der kleinen Brücke am Präsident-Kennedy-Platz kommt es immer wieder zu Drängeleien. Die Stadtbürgerschaft hat nunmehr gegen ein Radfahrverbot in den Bremer Wallanlagen gestimmt. Von einer Lösung des Problems ist man damit weiterhin meilenweit entfernt.

Die Parteien sind keinesfalls einer Meinung. Grüne und SPD setzen auf mehr Rücksichtnahme. Indes die FDP und Bündnis Deutschland ein komplettes Radfahrverbot durchsetzen wollen, hatte die CDU in der Stadtbürgerschaft einen Antrag eingebracht, den Radverkehr konsequent auf die Premiumroute am Wall umzuleiten. Der CDU-Antrag erhielt schlussendlich nicht die erforderliche Mehrheit.

In der Bürgerschaftsdebatte zur Thematik benannte Thore Schäck, Landesvorsitzender der FDP, zunehmende Konflikte zwischen rücksichtslosen Radfahrern und Fußgängern. Dass die Konflikte „zunehmen“ ist allerdings nicht verifizierbar, zumal die seit Jahrzehnten immer wieder auftreten. Unbesehen dessen forderte Schäck insbesondere an der Brücke über den Wallgraben klare Regeln und Kontrollen durch die Polizei.

Bündnis Deutschland drückt sich in dieser Hinsicht erwartbar schärfer aus. Laut Holger Fricke, Bildungspolitischer Sprecher Bündnis Deutschland in Bremen, hätten „(…) Fahrräder in den Wallanlagen nichts zu suchen; außer, sie werden geschoben.“ Bündnis 90/Die Grünen positionierten sich für mehr Rücksichtnahme an dem neuralgischen Punkt, wobei Ralph Saxe, Sprecher für Umwelt, Verkehr, Gesundheitspolitik und Pflege, darauf verwies, es habe „(…) in einem Jahr gerade mal vier Unfälle in den Wallanlagen gegeben. In nur einen davon war ein Fußgänger verwickelt.“ Ein Rad-Verbot werde es nicht geben.

Jan Fries, Staatsrat bei der Senatorin für Umwelt, Klimaschutz und Wissenschaft, lenkte den Fokus darauf, dass die Bremer Parks Orte für alle sind, in denen gegenseitige Rücksichtnahme herrschen müsse und die Rechte der Schwächeren zu berücksichtigen seien. Exakt dieses Miteinander müsse man auch in den Wallanlagen hinbekommen.

Eine Verbotslösung würde die Radfahrer aus den Wallanlagen ausschließen, ein Nichtstun hingegen weiterhin für verärgerte Fußgänger sorgen. Unter dem Strich geht es darum, beide Seiten wieder für mehr Rücksichtnahme zu sensibilisieren. In einer Gesellschaft, die aufgrund der multiplen Krisen der vergangenen Jahre zunehmend gereizter wird, bei der die Temperaturen des sozialen Thermometers schleichend in die Höhe kriechen, wird das nicht einfach. Das Verhalten in den Wallanlagen kann durchaus als Indikator für die allgemeine Grundstimmung verstanden werden.

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