Digitaler Wandel in Bremen: Alltag, Verwaltung und Teilhabe im Umbruch

Die Digitalisierung hat Bremen längst erfasst und prägt immer stärker das Leben in der Stadt. 2025 geht es dabei nicht nur um technische Innovationen, sondern auch um soziale Teilhabe, Verbraucherschutz und die Frage, wie Verwaltung und Wirtschaft mit globalen Veränderungen Schritt halten können. Projekte wie der KI-Assistent LLMoin oder das Netzwerk Digital-Fit-60+ zeigen, dass die Hansestadt auf unterschiedlichen Ebenen neue Wege einschlägt. Gleichzeitig stellt der digitale Verbraucheralltag in einer globalisierten Welt hohe Anforderungen an Bürgerinnen und Bürger, aber auch an lokale Anbieter, die mit internationalen Plattformen konkurrieren müssen.

Künstliche Intelligenz in der Bremer Verwaltung

Ein Beispiel für die konsequente Nutzung neuer Technologien ist die Einführung von LLMoin, einem speziell für die Verwaltung entwickelten KI-Assistenten. Das System unterstützt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Erstellung von Texten, der Zusammenfassung umfangreicher Dokumente oder der Recherche zu Fachthemen. Ziel ist es, die Bearbeitung von Routineaufgaben zu beschleunigen und mehr Zeit für komplexere Anliegen der Bürgerinnen und Bürger zu schaffen.

Der Einsatz erfolgt in einer datenschutzkonformen Umgebung, betrieben durch das öffentliche IT-Dienstleistungszentrum Dataport. Wichtig ist dabei, dass sämtliche Eingaben nicht zum Training der Modelle genutzt werden, sodass sensible Daten geschützt bleiben. Nach Zustimmung des Gesamtpersonalrats hat der Senat im September 2025 den Pilotbetrieb freigegeben. Erste Verwaltungsstellen testen den Assistenten bereits im Rahmen des Pilotbetriebs. Es wird erwartet, dass dadurch Routineaufgaben erleichtert und Bearbeitungszeiten verkürzt werden können. Damit geht Bremen einen Schritt weiter als viele andere Bundesländer, die noch über vergleichbare Systeme diskutieren.

Digitale Teilhabe für ältere Menschen

Parallel zur Modernisierung der Verwaltung arbeitet Bremen auch an der digitalen Inklusion. Besonders sichtbar wird das beim Projekt Digital-Fit-60+, das ältere Menschen an die Nutzung digitaler Geräte und Dienste heranführt. An mehr als 30 Standorten in der Stadt werden Beratungen und Schulungen angeboten, bei denen Ehrenamtliche als Digitallotsinnen und -lotsen zur Seite stehen. Sie helfen beim Einrichten von Smartphones, erklären den Umgang mit Apps oder zeigen, wie Videotelefonie funktioniert.

Finanziert und getragen wird das Projekt im Rahmen des bundesweiten DigitalPakts Alter, in Bremen federführend durch die Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration. Für viele Seniorinnen und Senioren bedeutet das ein großes Stück Teilhabe: Sie können einfacher Kontakt zu Familie und Freunden halten, Online-Dienste der Verwaltung nutzen oder sicher im Internet einkaufen. Zugleich stärkt das Angebot das Vertrauen in die Technik und mindert Berührungsängste.

Verbraucheralltag im globalisierten Umfeld

Doch Digitalisierung betrifft längst nicht nur Verwaltung und soziale Projekte, sondern auch den alltäglichen Konsum. Immer mehr Bremerinnen und Bremer nutzen mobile Wallets, Echtzeitüberweisungen oder digitale Plattformen, um ihre Einkäufe zu erledigen. Streamingdienste, internationale Online-Shops oder digitale Spieleangebote sind fester Bestandteil des Alltags.

Dadurch verändert sich das Konsumverhalten grundlegend: Komfort und Geschwindigkeit werden zur Selbstverständlichkeit, ebenso wie die Erwartung, jederzeit und überall Zugriff auf Waren und Dienstleistungen zu haben. Für lokale Anbieter ist dies eine Herausforderung.

In manchen Branchen, wie dem iGaming, bleiben Anbieter im Angebot durch strikte Regulierungen hinter globalen Playern zurück, wie etwa bei Casinos online ohne Oasis. Auch globale Plattformen wie Netflix, Spotify oder Twitch haben Standards gesetzt, die andere Akteure schwer erreichen können und bei denen Inhalte sofort verfügbar, personalisiert und auf allen Geräten synchron abrufbar sind.

Um in diesem Umfeld mithalten zu können, reicht ein traditionelles Angebot oft nicht mehr aus. Wer konkurrenzfähig bleiben will, muss ebenfalls digitale Services anbieten – sei es durch eigene Webshops, Lieferdienste, Online-Reservierungen oder eTickets für Kultur und Verkehr. Die Konkurrenz zu globalen Plattformen zwingt lokale Betriebe, in digitale Sichtbarkeit und einfache Nutzererfahrungen zu investieren.

Gleichzeitig stehen Verbraucherinnen und Verbraucher vor der Aufgabe, zwischen einer Vielzahl internationaler Angebote zu wählen, Preisvergleiche vorzunehmen und Datenschutzfragen im Blick zu behalten. Die europäische Datenschutzgrundverordnung gilt auch hier als wichtiges Schutzinstrument, doch gerade bei internationalen Anbietern ist es oft mühsam, Transparenz über Datenverwendung und Kosten zu erhalten.

Bremen als Modellregion für digitale Strategien

Der digitale Wandel zeigt sich in Bremen somit auf mehreren Ebenen. Einerseits wird mit LLMoin die Verwaltung modernisiert, andererseits sorgt Digital-Fit-60+ dafür, dass ältere Menschen nicht den Anschluss verlieren. Hinzu kommt die Anpassung des Verbraucheralltags an ein globalisiertes Umfeld, das von großen Plattformen geprägt ist, aber auch Raum für regionale Initiativen lässt. Bremen verfolgt dabei eine übergeordnete Strategie, die die Stadt als Innovationsstandort mit starker Forschungsbasis positionieren soll.

Hochschulen und Forschungseinrichtungen arbeiten an Projekten zur digitalen Transformation, während das Mittelstand-Digital Zentrum Bremen-Oldenburg kleine und mittlere Unternehmen bei der Einführung neuer Technologien unterstützt. erausforderungen bestehen dennoch: Der Fachkräftemangel bremst die Umsetzung, und die langfristige Finanzierung vieler Projekte bleibt eine wichtige Aufgabe.

Rückblick auf den digitalen Schnack

Wie nah Politik und Digitalisierung zusammengedacht werden können, zeigte zuletzt auch der „Digitale Schnack“ mit Bürgermeister Andreas Bovenschulte. Am 19. September 2025 konnten Bürgerinnen und Bürger aus Findorff, Gröpelingen, Oslebshausen, Walle und dem Blockland ihre Anliegen per Videochat oder Telefon direkt mit dem Bürgermeister besprechen. Das Format, das bewusst niedrigschwellig angelegt war, verdeutlichte, wie Bürgerdialog durch digitale Werkzeuge erweitert werden kann. Auch wenn die Veranstaltung bereits vorbei ist, zeigt sie beispielhaft, dass Bremen den digitalen Austausch nicht nur als technische Aufgabe begreift, sondern als Chance, politische Teilhabe breiter zugänglich zu machen.

Quellen:

https://www.gpr.bremen.de/aktuelles/llmoin-der-pilotbetrieb-kann-beginnen-3296
https://www.dataport.de/nachricht/ki-assistent-llmoin-steht-ab-sofort-zur-nachnutzung-bereit/
https://www.soziales.bremen.de/soziales/aeltere-menschen/hilfe-mit-handy-tablet-und-internet-101325
https://gesundheitscampusbremen.de/_uploads/files/forschungscluster/Tagung24/Steckbriefe/Steckbrief_DigiFit60_neu.pdf
https://www.digitalpakt-alter.de/partner/bremen/
https://vska.de/bremen-ehrenamtliches-engagement-im-netzwerk-digitalambulanzen/
https://kmuautomation.de/studien/metastudie-digitalisierung-stand-in-deutschen-kmus/

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