Demenz: (k)ein Thema für Bremen?

Über gleich drei Formate – einem Positionspapier, einer Pflanzaktion und einer Fachveranstaltung – macht die Zentralstelle der Landesfrauenbeauftragten (ZGF) auf das Thema Demenz aufmerksam. Denn obwohl die Versorgung von Menschen mit Demenz eine der zentralen Zukunftsaufgaben ist, klafft im Land Bremen eine Versorgungslücke.

Das vom Arbeitskreis „Frauen und Pflege“ des Bremer Forum Frauen*gesundheit unter Leitung der ZGF veröffentlichte Positionspapier „Demenz – (k)ein Thema für Bremen?“ ist unter www.frauen.bremen.de/demenz abrufbar. Mitautorinnen sind die Demenz Informations- und Koordinationsstelle (DIKS) e.V. und die Arbeitnehmerkammer Bremen. Das Papier bewertet die Pflegeversorgung von Menschen mit Demenz im Land Bremen und zeigt auf, warum und wo es zu Versorgungslücken kommt und welchen Hürden Angehörige begegnen.

So besteht beispielsweise ein Personal- und Kapazitätsmangel in der ambulanten und stationären Pflege. Es fehlen aber auch eine Vernetzung sowie sektorübergreifende Angebote. Ein zentrales Handlungsfeld seien deshalb einheitliche und flächendeckende Anlauf- und Beratungsstellen in den Quartieren. So sollen bestehende Angebote unter einem Dach gebündelt werden. Außerdem sollte eine einheitliche und übersichtliche digitale Suchplattform als Wegweiser geschaffen werden, denn die aktuell verfügbaren Angebote sind wenig bekannt, uneinheitlich und oft nicht aktuell.

Das Positionspapier

…arbeitet zudem heraus, dass Frauen in doppelter Hinsicht von Demenz betroffen sind: als Erkrankte sowie als Pflegende. Etwa 65 Prozent der an Demenz leidenden Personen sind weiblich. Ein Grund hierfür ist unter anderem die höhere Lebenserwartung. Nach Schätzungen sind auch unter den pflegenden Angehörigen rund zwei Drittel Frauen: meist die Partnerinnen, Töchter oder Schwiegertöchter. Diese Verantwortung geht häufig mit erheblichen körperlichen, psychischen und finanziellen Belastungen einher. Pflegearbeit wird vielfach neben Erwerbsarbeit geleistet oder führt zu deren Reduzierung – mit langfristigen Folgen für Einkommen und Alterssicherung.

Pflanzaktion & Fachveranstaltung

Auch in diesem Jahr findet in der Stadt Bremen vom 13. bis 19. April die Pflanzaktion „Vergiss mein nicht“ statt. So pflanzte am heutigen Montag der Arbeitskreis „Frauen und Pflege“ um 10 Uhr an der Stiftungsresidenz Riensberg symbolträchtig die blauen Blümchen. Die Aktion soll die Aufmerksamkeit für die Erkrankung schärfen, an die Bedürfnisse der Betroffenen erinnern sowie zu mehr gesellschaftlicher Verantwortung und Unterstützung aufrufen.

Die DIKS e.V., Arbeitnehmerkammer Bremen, Bremer Heimstiftung, die Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz sowie die ZGF laden dann am 7. Oktober von 15 bis 17 Uhr zu einer Fachveranstaltung in die Zentralstelle der Landesfrauenbeauftragten, Faulenstraße 14–18, 28195 Bremen, ein. Die Veranstaltung findet einen Tag nach dem Internationalen Tag der pflegenden Angehörigen statt. Angekündigt sind u.a.Videointerviews mit pflegenden Angehörigen sowie eine Podiumsdiskussion zur Frage, was eine Bremer Demenzstrategie konkret leisten könnte. Ziel ist es, unterschiedliche Perspektiven aus Politik, Verwaltung, Praxis und Interessenvertretung zusammenzubringen und einen fachlichen Impuls für die weitere Diskussion zu setzen.

Ein Blick über den Tellerrand

…zeigt, dass strategische Konzepte wirken: Bundesländer wie Schleswig-Holstein, Saarland, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Bayern verfügen bereits über Demenzstrategien. Dort werden Pflege- und Gesundheitsversorgung systematisch vernetzt, Ressourcen gezielt gebündelt und Präventionsangebote gestärkt.

Bildquelle: Robert Kneschke / Fotolia

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