C.B. Evans – Ad Hoc Order – Eröffnung in der Gesellschaft für aktuelle Kunst in Bremen

Die GAK freut sich Ad Hoc Order von C.B. Evans anzukündigen, die fünfte Ausstellung in der Reihe for fear of continuity problems, die sich in einem Teilbereich der GAK sowie den Posterrahmen im Außenraum mit Erinnerung und Gedächtnis auseinandersetzt. Am 20. November 2099 geht in MEMORY! (2025) eine Erinnerung verloren. Die Eröffnung der Ad Hoc Order ist am 22. Mai 2026 um 19:00 Uhr.

C.B. Evans‘ Videoarbeiten und Skulpturen, die im Kontext der Ausstellungsreihe for fear of continuity problems gezeigt werden, richten sich gegen den Schutt, den Abfall und die Toxizität, die durch die systematische Zerstörung der Zukunft entstehen.

Häufig nutzt C.B. Evans die Form der Videoinstallation, um Umgebungen in einer imaginierten Welt zu schaffen. Die Kunstwerke, aus denen diese Umgebungen bestehen, greifen technologische, politische und soziale Bedingungen der Gegenwart auf, um ihre zukünftigen Auswirkungen zu untersuchen und neu zu gestalten. Diesen oftmals vermeintlich abstrakten Konstellationen gibt Evans‘ in ihren Arbeiten eine emotionale Dimension.

Zum Ausgangspunkt der Ausstellung Ad Hoc Order werden die zwei Videoarbeiten MEMORY! (2025) und RECEPTION! (2024) – Charakterstudien einer Protagonistin und ihrer Doppelgängerin, eine Erinnerung, die ihren Körper verlassen hat. Beide leben in einer Welt, in der eine ökologische Krise zu einem Speicherplatzmangel führte und woraufhin die Bevölkerung einen Großteil ihrer persönlichen Daten verloren hat.

Erstmals wurden die aufeinander reagierenden Arbeiten 2025 auf der Sharjah Biennale gezeigt, zusammen mit der Werkreihe Ad Hoc Order: Ein scheinbar aufgerissenes skulpturales Modell, das den Plenarsaal der Vereinten Nationen in New York neu imaginiert und das auf den Trümmern der zerstörten Stadt erbaut wurde.

Während MEMORY! diese Umgebung aufgreift, spielt RECEPTION! in einem anderen Raum – dem ehemaligen Europäischen Parlament, das zu einem „Globalen Archiv für Erinnerungsmanagement und -archäologie“ (Global Archive for Memory Management and Archaeology GAMMA) umgenutzt wurde.

Die Arbeiten zeigen einzelne Charaktere, die, verwoben mit computergenerierten, gefundenen und festgehaltenen Bildern, auf Übersetzungsprozesse des kollektiven Gedächtnisses und kollektiver Verantwortung aufbauen. Beide fragen danach, wie und ob Erinnerung überleben sollte, angesichts der „Speicherkrise“, die wir – ausgelöst durch die Verschwendung unserer dysfunktionalen Gesellschaft – an künftigen Generationen vererben werden.

Ausgehend von dieser Vorstellung, dass Abfall sowohl eine allgegenwärtige Realität als auch ein Ad hoc-Material für zukünftige Gesellschaften ist, begab sich Evans‘ in Vorbereitung auf die Ausstellung auf die Suche nach entmilitarisiertem Rüstungsabfall. Das gesammelte Metall stammt von EST Energetics, einer Abfallentsorgungsanlage, die den Müll einer boomenden europäischen Industrie neutralisiert und für einen neuen Lebenszyklus aufbereitet (während Tonnen von Rüstungsabfällen mit ihren physisch und psychisch giftigen Chemikalien in den Böden und Gewässern dieser Welt verbleiben).

Dieser Recyclingprozess ist selbst Teil einer industrialisierten Kriegswirtschaft, die Wert aus Zerstörung schöpft. Vor diesem Hintergrund wichtig zu erwähnen: Das aus der Lieferkette entnommene Material wurde von der Künstlerin persönlich und ohne jegliche finanzielle Gegenleistung gesammelt. Aus der Umwandlung des Metallabfalls sind kleine Alltagsgegenstände entstanden, die nun in den Posterrahmen der GAK zu sehen sind. Wie auch in der ursprünglichen Ad Hoc Order Reihe, wird jedes Objekt von einem Titel begleitet, der als spöttische Drohung gegenüber einer bestehenden Ordnung gelesen werden kann und andeutet, dass die Überreste der automatisch erzeugten Krisen in nützliche Werkzeuge verwandelt werden, um die alte Ordnung zu überwinden und in eine neue überzugehen.

Ergänzt werden die Objekte von Plakaten, die ursprünglich für das Fundraisingprojekt Love is Resistance entworfen wurden, auf denen der Satz des palästinensischen Dichters Mahmoud Darwish an seinen kurz zuvor verstorbenen Freund Edward Said zu lesen ist: „I urge you to cling to the impossible!“ – Ich fordere dich auf, am Unmöglichen festzuhalten!

Zur Künstlerin C.B. Evans lebt und arbeitet in Saint-Denis, Frankreich. Zu den Orten, an denen Evans bisher ausgestellt hat, gehören unter anderem das Centre Pompidou, die Tate Liverpool, Lafayette Anticipations, die Whitechapel Gallery, die High Line, das Haus der Kunst und das Singapore Art Museum. 2024 wurde C.B. Evans zu einem Sonderprojekt von Miu Miu eingeladen, und 2025 zeigte Evans eine ortsspezifische Installation auf der 16. Sharjah Biennale. Evans’ Filme wurden auf Festivals wie dem New York Film Festival und dem Rotterdam International Film Festival gezeigt. Evans’ Werke befinden sich in öffentlichen Sammlungen wie dem MoMA NY, dem Whitney Museum, dem Centre Pompidou, dem Louisiana Museum of Modern Art und dem National Museum of Art Seoul.

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((Beitragsbild oben: Ad Hoc Order eröffnet am 22. Mai bei der GAK Bremen.))

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