Bremer Kapitänstag 2025: Plädoyer für Hafenlastenausgleich, „der den Namen auch verdient“
Zum 58. Mal hatte die BHV – Bremische Hafen- und Logistikvertretung e.V. – im Auftrag des Bremer Senats zum Kapitänstag eingeladen. Rund 300 Kapitäne, Vertreter der maritimen Wirtschaft und Politik kamen am vergangenen Freitagabend in der Oberen Rathaushalle zusammen. Das traditionsreiche Festessen war erneut Bühne für klare Botschaften: Ohne eine deutlich stärkere Beteiligung des Bundes an den Hafenkosten können die Bremischen Häfen ihre Rolle als internationale Drehscheibe nicht sichern.
BHV-Präsidiumsmitglied Dr.-Ing. Patric Drewes eröffnete den Abend und machte deutlich: „Unsere Häfen sind nicht nur regionale Umschlagplätze – sie sind Lebensadern für die gesamte Republik. Sie sichern Versorgung, Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand. Und zwar weit über Norddeutschland hinaus.“ Drewes verwies dazu auf drei aktuelle Herausforderungen: Die milliardenschwere Sanierung der Bremerhavener Stromkaje, Rückgänge im Autoumschlag sowie große Unsicherheiten in der Projektladung. „Wenn wir hier nicht handeln, riskieren wir Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze“, warnte er.
Vogt: „Der Bund muss mehr Verantwortung für die Häfen übernehmen“
Bremens Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation, Kristina Vogt, betonte die bundesweite Bedeutung der Seehäfen: „Die Küstenländer tragen die Kosten, davon profitieren alle Bundesländer, vor allem die südlichen mit ihrem sehr hohen Wertschöpfungsanteil. Die eigentliche Wertschöpfung der Häfen findet längst nicht mehr nur an der Kaje, sondern in Industrie und Handel in ganz Deutschland statt.“ Mit Blick auf die Sanierung der Stromkaje forderte Vogt einen Hafenlastenausgleich von mindestens 400 Millionen Euro jährlich: „Der heutige Betrag von 38 Millionen Euro für alle deutschen Häfen zusammen ist nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein.“
Ploß: „Ich werde in Berlin für die Häfen kämpfen“
Festredner Dr. Christoph Ploß, Mitglied des Deutschen Bundestags und Maritimer Koordinator der Bundesregierung, dankte den Kapitänen und ihren Crews für ihren Einsatz. Zu den Häfen führte er aus: „Die Häfen gehen nicht nur die norddeutschen Länder etwas an. Über sie läuft die Versorgung ganz Deutschlands.“ Ploß kündigte an, sich in Berlin für eine dauerhaft bessere Finanzierung der deutschen Seehäfen einzusetzen. Geplant seien 400 Millionen Euro für klimafreundliche Schifffahrt und Häfen im Bundeshaushalt sowie zusätzliche Mittel aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung. Hafenpolitik müsse in Deutschland ebenso wie in den Niederlanden oder Belgien als nationale Aufgabe verstanden werden.
Möller: „Traditionsschiffe sind schwimmende Denkmäler“
Die diesjährige Kapitänsrede hielt Hans-Joachim Möller, vereidigter Schiffsbesichtiger und langjähriger Kapitän. Er erinnerte an die Tradition der Hanse und die Bedeutung der Bremer Hansekogge. „In Fahrt befindliche Traditionsschiffe wie die ‚Ubena von Bremen‘ sind für Bremen und Bremerhaven von unschätzbarem Wert. Sie verbinden Geschichte und Gegenwart auf eine Weise, die kein Museum und kein Lehrbuch allein leisten kann“, sagte Möller. Nach einer Havarie wird die „Ubena“ derzeit aufwendig restauriert. Möller warb dazu um breite Unterstützung für das Projekt. Darüber hinaus wies Möller darauf hin, dass in einer Zeit, in der Lügen, Fake News und fragwürdige Rollenbilder immer mehr Raum gewinnen, die Gesellschaft sich wieder mehr auf die hanseatischen Tugenden besinnen sollte. „Statt Lautstärke und Fake News brauchen wir heute mehr denn je hanseatische Tugenden: Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Weltoffenheit und Toleranz“, betonte er in seiner Rede.
Dank und Spenden für Bremer Seemannsmission und Hafenmuseum Bremen
In diesem Jahr wurden von den Teilnehmenden Spenden für die Bremer Seemannsmission e.V., die eine sehr wichtige Arbeit für die Seeleute in den Bremischen Häfen leistet, und für das Hafenmuseum Bremen, das mit seinen Angeboten wesentlich zur maritimen Identität des Landes Bremen beiträgt, gesammelt. Dabei kam die bisherige Rekordsumme in Höhe von 31.360 Euro für beide Institutionen zusammen.
Hintergrund: Der Bremer Kapitänstag
Mit dem traditionsreichen Kapitänstag wurden jetzt bereits zum 58. Mal die Bremer Kapitäne und Chefingenieure der Schiffe und Flugzeuge dafür geehrt, dass sie Bremen und Bremerhaven zu Wasser und in der Luft mit allen Teilen der Welt verbinden. Traditionell wurde den Gästen ein Curryessen serviert. Der erste Kapitänstag wurde 1965 ausgerichtet. Die BHV – Bremische Hafen- und Logistikvertretung organisiert das Event für den Senat der Freien Hansestadt Bremen.
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((Beitragsbild oben von lks.: Patrick Rehberg (BHV-Vorstandsmitglied), Stefan Schultze (BHV-Vorstandsmitglied), Dr. Christoph Ploß, MdB (Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft und Tourismus), Dr.-Ing. Patric Drewes (BHV-Präsidiumsmitglied), Senatorin Kristina Vogt (Die Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation), Petra Lüdeke (BHV-Geschäftsführerin), Jens Juknischke (BHV-Vorstandsmitglied), Kapitän Hans-Joachim Möller, Christoph Holtkemper (BHV-Präsidiumsmitglied und -Schatzmeister), Carsten Wendt (BHV-Vorstandsmitglied))




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