Bremer Architekturspezialist Vector Foiltec meldet Insolvenz an
Mit transparenten Dächern und Fassaden aus dem Kunststoff Ethylen-Tetrafluorethylen (ETFE), hat Vector Foiltec maßgeblich dazu beigetragen, neue Maßstäbe in der Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts zu setzen. Als Weltmarktführer im architektonischen Folienbau und Erfinder des Texlon® ETFE Systems agiert die Firma aus Bremen an 18 Standorten weltweit. Die Technologie von Vector Foiltec wurde bereits in über 1.700 Projekten verbaut, darunter Stadien, Atrien, Shoppingcenter, Zoos, Gartenparks und andere öffentliche Gebäude.
In Deutschland ist die Expertise des Unternehmens beispielsweise auf dem DFB-Campus in Frankfurt oder der Kölner Messe sowie dem Zeisehof in Hamburg sichtbar. Das Unternehmen hat in Bremen zwei Standorte, einen in der Überseestadt und einen in Bremen-Nord, an dem auch seit Firmengründung im Jahr 1982 produziert wird.
Finanzielle Schieflage durch Langzeitfolgen aus der Corona-Pandemie und den Folgen des Ukrainekrieges
Weil der Architekturspezialist mit Langzeitfolgen aus der Corona-Pandemie und den Folgen des Ukrainekrieges zu kämpfen hat, musste er am 30. Oktober einen Antrag auf Insolvenz stellen. So hätten Projekt- und Zahlungsverzögerungen zu einem deutlichen Liquiditäts- und Produktivitätsverlust geführt. Auch der Wegfall des russischen Marktes nach dem Beginn des Ukraine Krieges habe dem Unternehmen wertvolle Möglichkeiten genommen.
Firmengründer Dr. Stefan Lehnert: „Der Schritt ist uns natürlich nicht leicht gefallen. Aber ich bin optimistisch, dass wir hier zeitnah eine gute langfristige Lösung finden werden. Unser Produkt ist gefragt, das Bauen mit ETFE-Folie wird weltweit sehr geschätzt und der Markt wächst stetig.
Allerdings kämpfen wir mit extremen Projekt- und Zahlungsverzögerungen, mittlerweile im zweistelligen Millionenbereich. Dazu kommen stark angestiegene Finanzierungskosten, die wir mit unseren Auftragsmargen und dem zur Verfügung stehenden Kreditrahmen einfach nicht mehr decken können.“
Die Marktposition sei aber weiterhin uneingeschränkt herausragend. „Die Länder des Mittleren Ostens, die Region Süd-Ost-Asien sowie die USA sind hervorragende Märkte und auch aus Europa sehen wir einen Anstieg der Nachfrage in Bezug auf Renovierungsprojekte“, betont Lehnert.
Er ist sich sicher, dass die Expertise des Vector-Foiltec-Teams genau das ist, was das Unternehmen aus der Krisensituation herausholen wird: „Teilweise sind unsere Leute jahrzehntelang an Bord, das ist einfach einmalig.“

Das Unternehmen hat bereits über 5.000.000 m² ETFE-Folien installiert und 1.700 Projekte weltweit abgeschlossen, unter anderem das weltweit bekannte „Eden Project“ in Cornwall in Großbritannien. (Foto: Vector Foiltec)
Mitarbeiter bereits über aktuellen Stand informiert
Am 1. November ordnete das Amtsgericht Bremen die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen der Gruppe an und bestellte Dr. Christian Kaufmann von der Pluta Rechtsanwalts GmbH zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Vector Foiltec GmbH, der Vector Foiltec Holding GmbH und der Vector Foiltec Europe GmbH. Die weiteren Unternehmen der Gruppe, insbesondere die Auslandsgesellschaften, sind von der Antragstellung nicht betroffen.
„Die Mitarbeiter wurden bereits über den aktuellen Stand informiert. Wir prüfen nun sämtliche Optionen, um den traditionsreichen Betrieb erhalten zu können“, erläutert Dr. Kaufmann.
In Deutschland hat Vector Foiltec rund 115 Mitarbeiter und weltweit über 250. Für die Mitarbeiter in Deutschland leitet der vorläufige Insolvenzverwalter zusammen mit seinem Team, das aus den Rechtsanwälten André Gildehaus und Alexander Bortfeldt sowie Diplom-Wirtschaftsjuristin (FH) Nicole Neumerkel besteht, aktuell die Insolvenzgeldvorfinanzierung in die Wege. Durch das Insolvenzgeld sind die Löhne für drei Monate von November 2024 bis Januar 2025 gesichert und werden wie gewohnt ausgezahlt.
Investorensuche startet bald
Bereits vor der Antragstellung habe es Gespräche mit Investoren gegeben, die das Potenzial der Vector Foiltec Gruppe erkannt hätten. Dr. Kaufmann wird als vorläufiger Insolvenzverwalter diese Gespräche fortführen und zugleich einen strukturierten Investorenprozess durchführen. „Der Einstieg eines Investors ist notwendig, damit Vector Foiltec eine Zukunftsperspektive hat“, do Dr. Kaufmann.
Bild oben: In Bremen hat das Unternehmen gleich zwei Standorte. Am Standort in Bremen-Nord wird seit der Firmengründung im Jahr 1982 auch produziert.










Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!