Bremen soll laut Statistik die sauberste Großstadt Deutschlands sein: Realitäten schöngelogen
Frei nach dem Motto „glaube nur der Statistik, die du selbst gefälscht hast“, hat ein Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln die Umweltqualität in Deutschlands Städten untersucht und Bremen den Titel als „sauberste Großstadt“ auf das hanseatische Wappen geheftet. Untersucht wurden die 50 größten Städte Deutschlands. Bremen hatte in der Erhebung 139,2 von maximal 200 Punkten erreicht.
Untersucht wurden 400 Messwerte zu vier Kriterien. So der Anteil öffentlicher Grünflächen sowie das jährliche Müllaufkommen pro Kopf, außerdem die Belastung durch Luftschadstoffe wie Feinstaub und Stickstoffdioxid und die Qualität des Trinkwassers, wofür der pH-Wert, die Gesamthärte und der Nitratgehalt herangezogen wurden.
Dabei wurden das Müllaufkommen und die Grünflächen in Relation zur Einwohnerzahl und Bodenfläche der Städte gesetzt. Basierend auf einem standardisiertem Punktesystem mit einer Bewertungsskala von null bis 50 Punkten ergab sich mit den vier Kategorien eine Gesamtpunktzahl von 200.
Das Problem hinsichtlich der statistischen Aussagekraft: Der Nahrungsergänzungsmittelhersteller hat keineswegs eigene Messungen durchgeführt, stattdessen die Werte aus vorhandenen Regionalstatistiken übernommen, etwa für die Bereiche Grünfläche und Müllaufkommen die des statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2023, für die Luftqualitätswerte die Erhebungen des Umweltbundesamtes zu Feinstaub und Stickstoffdioxid aus 2024.
Die Wasserwerte wurden anhand der Angaben der Wasserwerke der jeweiligen Stadt ermittelt. Bei abweichenden Angaben von mehreren Wasserwerken einer Stadt wurde ein Mittelwert aus Minimal- und Maximalwert errechnet. Auch hier hinkt der Vergleich, da die Zahlen teils aus unterschiedlichen Berechnungszeiträumen stammen.
Tatsächlich ploppen solche und ähnliche Statistiken immer wieder mit durchaus auch unterschiedlichen Resultaten und Bewertungen auf. So ordnet sich Bremen in einer Bewertung durch einen Lotterieanbieter im Ranking gerade mal auf Platz 30 ein. Duisburg wird dabei hinsichtlich der Lebensqualität sogar im Mittelfeld verortet, obschon die Stadt im aktuell vorgelegten Vergleich weit abgeschlagen auf dem letzten Platz landet.
Dass Bremen derart positiv abschneidet, ist für die Hanseaten zwar schön, doch nicht minder fragwürdig. Die Bremer wohnen seit Jahren bis Jahrzehnten im Stau, was den Luftqualitätswerten maßgeblich entgegensteht. Die vermüllten Zustände etwa am Bahnhof oder im Viertel werden beispielsweise von der Handelskammer seit gefühlten Ewigkeiten angeprangert. Dass die Wasserqualität als vorbildlich diagnostiziert wird, scheint ebenfalls auf wackligen Tatsachen zu stehen. Verbleibt die Frage, welche Interessen hinter solchen Städtevergleichen stehen.
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Anmerkung der Redaktion: Auf Namensnennung des Herstellers für Nahrungsergänzungsmittel wurde in diesem Artikel zur Vermeidung von Schleichwerbung bewusst verzichtet.
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