„Beatles an Bord“ im Bremer Boulevardtheater: Drei Stewardessen singen um ihr Leben
Die musikalische Komödie „Beatles an Bord“ aus der Feder von Enrique Keil hatte am gestrigen Donnerstag Premiere im Boulevardtheater Bremen. Bei der Sommertheater-Produktion flogen die drei Flugbeleiterinnen der Airline „Jetbaguette“ – Babette, Jeanette und Raclette – mit ihrem Publikum in einem schrottreifen Flugzeug mit betrunkenem Piloten nach Paris, jedenfalls fast, und servierten neben pointierten Dialogen und bis zur Kenntlichkeit entstellten Absurditäten ein musikalisches Feuerwerk der größten Hits der legendären Fab Four.
Bereits ab der ersten Sekunde wurde dem Publikum klar, dass es hier zur Sache gehen würde. Schließlich war der Zustand des Flugzeugs, mit dem man die Reise antreten sollte, vollkommen marode und alles andere als vertrauenserweckend. Aus der Economy-Class gab es keinen Blick nach draußen, was allerdings ein Vorteil sein sollte. Denn Stewardess Jeanette persiflierte sofort: Ich kann Ihnen versprechen, Sie wollen nicht sehen, wie wir landen.“ Und selbstverständlich wurde mit französischem Akzent und permanenten Wortspielerien die Flugangst der Reisenden in den Mittelpunkt gerückt. Babette: „Haben Sie Flugangst?“ – „Nein.“ – „Noch nicht.“ Dabei waren die entertainenden Stewardessen sich einig: „Jetbaguette hat alle Kosten und Mühen gescheut, (…).“
Obschon bei diesem Flug alles schiefging, was schiefgehen kann, hatten die drei Stewardessen die Lage voll im Griff. Kein noch so peinliches Malheur brachte sie aus der Fassung. Stattdessen lenkten sie singend und tanzend mit ihrem ausgefeilten Unterhaltungsprogramm von den zahlreichen Pannen ab und hielten die Fluggäste – das Publikum – bei Laune. Stets auch darum bemüht, mit der gebührenden Portion Sarkasmus Vertrauen zu vermitteln: „Dieses Flugzeug ist absolut sicher. Solange es nicht in die Luft geht.“
Sie hofften beinahe darauf, dass die Maschine nicht abheben würde. Doch der hörbar alkoholisierte und gleichermaßen überalterte Pilot schaffte den Start. Es folgten die typisch dramatischen Situationen, die kein Mensch erleben möchte, so etwa die drohende Notwasserung auf einem Baggersee oder der Notsitz-Abschied des Piloten, bei dem sich das Dach der Kanzel nicht öffnete. Éigentlich ging gar nichts mehr. Plötzlich allerdings stellte sich heraus, dass die Auszubildende Jeanette einen Flugschein besitzt. Weshalb? Weil sie die Tochter des Inhabers der Airline „Jetbaguette“ ist. Also übernahm sie das Steuer und brachte die Maschine auf den Boden. Zwar landete das Flugzeug nicht in Paris, aber Weyhe ist ja auch nicht schlecht.
Nachdem „Day Tripper“ und „Lady Madonna“ noch rein instrumental zugespielt wurden, ging die zumeist dreistimmig gesungene Beatles-Mania mit „Magical Mistery Tour“ los, reichte über Songs wie „Twist and Shout“, „Nowhere Man“, „I Want to Hold Your Hand“ und zahlreiche weitere. Das Besondere: Mit jedem Song wurde ein direkter Zusammenhang zum Storytelling der Komödie hergestellt. Wenn die Protagonistinnen sich nach Vertrauen und Liebe sehnten, wurden beispielsweise Hits wie „Can’t Buy me Love“ oder „All My Loving“ aus dem Köcher gezogen.
Einen musikalischen Kunstgriff erlebten die Gäste, als Miriam Distelkamp und Sarah Kluge „Octopus’s Garden“ und „Strawberry Fields Forever“ unmittelbar übereinander legten. Zum Finale servierten die Flug-Entertainerinnen schlussendlich ein Medley mit „Get back“, „Hello, Goodbye“ und dem epischen „Hey Jude“, bei dem das Publikum endgültig von den Sitzen abhob, lauthals mitsang und die Leistung der Darstellerinnen mit frenetischem Applaus quittierte.
Interesssant zu sehen war, dass die Beatles für so ziemlich jede Situation und sämtliche Emotionen des Lebens mindestens einen Song geschrieben hatten. Insgesamt 29 Hits wurden interpretiert, davon 27 mit dem perfekten Gesang von Babette (Miriam Distelkamp), Jeanette (Sarah Kluge) und Raclette (Lisa Herrmann), die stimmlich und zugleich mit ihrer Performance überzeugten und nach ein wenig Anlauf die Gäste von den Sitzen rissen. Dass der musikalische Leiter Patrick Kuhlmann in einer winzigen Sequenz mit „Satisfaction“ einen augenzwinkernden Stilbruch in der Songfolge platzierte, fiel allenfalls Eingeweihten auf. Die Backing-Tracks waren zuvor von den Musikern des Weyher Theaters eingespielt worden, den Gesang lieferten die drei Künstlerinnen absolut live und optimal aufeinender ein- und abgestimmt. Und das war tatsächlich mehr als beeindruckend.

V.lks.: Lisa Herrmann, Sarah Kluge und Miriam Distelkamp heile und gesund nach erfolgreicher Vorstellung.
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((Beitragsbild oben: Die Sängerinnen, Musical-Darstellerinnen, Schauspielerinnen und Tänzerinnen Miriam Distelkamp, Lisa Herrmann und Sarah Kluge (v. lks.) beherrschen die gesamte Bandbreite des Entertainments. Dem Weyher und Bremer Publikum sind sie aus mehreren Produktionen bestens bekannt.))



Theater Weyhe / Boulevardtheater Bremen




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