Auf den Verdi-Streik vom Freitag folgt in Bremen eine weitaus größere Aktion. Sicherheit im Fokus?
Der Streik, mit dem die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi am Freitag, den 21. Februar 2025, den Straßenbahn- und Busverkehr in Bremen zum Erliegen gebracht hat, war keine Überraschung, stattdessen bundesweit angekündigt. Fragen stellen sich hinsichtlich des Sicherheitskonzeptes.
Die Arbeitnehmerseite fordert angesichts höherer Lebenshaltungskosten acht Prozent mehr Einkommen, mindestens aber 350 Euro mehr im Monat, und drei zusätzliche freie Tage. Auszubildende sollen monatlich 200 Euro mehr bekommen. In besonders belastenden Jobs wie im Gesundheitsbereich mit Wechselschichten soll es höhere Zuschläge geben.
Demgegenüber werden die Forderungen von den Arbeitgebern als „nicht darstellbar“ bezeichnet. So erklärte Niklas Benrath, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, die Forderungen der Gewerkschaften würden die Kommunen mit 14,88 Milliarden belasten; eine Summe, die im Budget schlichtweg nicht vorhanden sei.
Geändertes Konzept aufgrund Sicherheitslage
Noch am Tag vor dem Warnstreik der ver.di-Mitglieder, mit dem am Freitag der ÖPNV in Bremen lahmgelegt wurde, grassierte die Darstellung, aufgrund der Ereignisse in München herrsche Angst vor weiteren Anschlägen. Insofern verzichte man auf groß angelegte Demonstrationszüge. So hieß es, die Gewerkschaft habe aufgrund der angespannten Sicherheitslage ihr Konzept geändert.
Die eigentlichen Kundgebungen fanden deshalb auf und an den fünf Betriebshöfen am Flughafendamm in der Neustadt, in Sebaldsbrück, Gröpelingen, der Vahr sowie Bremen-Nord statt. Geschätzt wurde die erwartete Teilnehmerzahl der größten Kundgebung vor dem Betriebshof in der Neustadt auf 600 Teilnehmer. Tatsächlich vor Ort waren in wechselnder Fluktuation rund 200 Gewerkschaftsangehörige.
Angst vor Anschlägen oder nicht?
Was in diesem Kontext durchaus verwundert, ist die Tatsache, dass für den kommenden Dienstag erstens ein erneuter 24-stündiger Streik mit gleich zwei Protestzügen geplant ist und darüber hinaus neben der BSAG diverse weitere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem Öffentlichen Dienst zum Warnstreik mit einer geschätzten Beteiligung von rund 2.000 Personen aufgerufen sind.
Zu den Aufgerufenen zählen die Kita Bremen, Gesundheit Nord, Umweltbetriebe Bremen, Werkstatt und Theater Bremen sowie die Angestellten der SWB, des Wasser- und Schifffahrtsamtes als auch der Immobilien Bremen. Ebenso ist angekündigt, dass sich die Beschäftigten der Bremer Bäder dem Verdi-Streik anschließen werden, obschon sie sich gegenwärtig in einer eigenen Tarifauseinandersetzung befinden.
Verstecktes Ass im Ärmel?
Indes also aus „(…) Sicherheitsbedenken“ am Freitag auf Protestmärsche verzichtet wurde, wird es eine weitaus größere Aktion am darauffolgenden Dienstag geben. Kalkül oder Taktik der Gewerkschaft, nunmehr mit dem Hinweis, man wolle sich nicht einschüchtern lassen? Oder steckt mehr dahinter? Die Zielsetzungen der Arbeitnehmervertreter sind angesichts der zunehmenden Arbeitsbelastung als auch finanziellen Realitäten nachvollziehbar. Die Taktik erschließt sich bislang nicht vollends. Mag sein, Verdi hat ein weiteres Ass im Ärmel, das erst in den folgenden Tagen ausgespielt wird.




BremenNews - Jörn Petersen




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