700 Bäume für Bremen: Resistente Baumarten in Zeiten des Klimawandels mit Streitschlichter-Potenzial
Angekündigt waren 500 neue Bäume für Bremen; aufgrund weitsichtiger Planung des Umweltressorts und der Umweltbetriebe Bremen steigt die Zahl auf 700. Zur Verkündung anwesend war neben der Geschäftsführerin der UBB Viola Hellwag auch die Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft Kathrin Moosdorf. Kann damit die Grüne Lunge der Hansestadt weiter belebt und zugleich der „Bremer Platanenstreit“ entschärft werden?
Der Streit um die 136 Platanen an der Neustädter Weserseite, die in Bremen wegen des Uferschutzes der Weser weichen sollen, war immens. Diese riesigen Bäume in der Bremer Neustadt fällen zu wollen, stieß allseits auf großes Unterständnis. Indes die Umweltbehörde argumentiert hatte, für den Hochwasserschutz sei es vor dem Hintergrund der Prognose des Weltklimarates, die beinhaltet, dass die Meeresspiegel schneller als ursprünglich angenommen steigen und es darüber hinaus mehr und höhere Sturmfluten geben wird, unumgänglich, den historischen Baumbestand zu fällen.
Ein etwaiges Volksbegehren wurde vom Staatgerichtshof als unzulässig abgewiesen, zumal der Neustädter Deich als Fläche ausschließlich dem Hochwasserschutz diene. Deshalb könne es kein Landesgesetz gegen, das die Platanen auf dem Deich schützt. Die Fronten zwischen Politik, Verwaltung und den Bürgern sind weiterhin verhärtet. Plakativ ausgedrückt: Hochwasserschutz steht vor Naturschutz. Ein neuerlicher Rahmenplan soll entworfen werden, wird laut Umweltbehörde frühestens 2025 erwartet.
Nun trifft eine Meldung ein, die viele Kritiker zumindest beschwichten könnte: Gemeinsam mit dem Umweltbetrieb Bremen hat die Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft erfolgreich Bundesmittel aus dem „Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz“ eingeworben, um mehr Straßenbäume in der Stadt Bremen als auch Bäume in städtischen Grünanlagen zu pflanzen. 3,2 Millionen Euro stehen dafür bereit. 90 Prozent der Summe stammen aus Fördermitteln des Bundes. Kathrin Moosdorf betont: „Bremen ist Spitzenreiter im Abrufen von Bundesgeldern.“

Viola Hellwag und Kathrin Moosdorf erfreut über die gesicherte Finanzierung für die neue Pflanzsaison
Voraussetzung für die Förderung: Alle Bäume erhalten Pflanzgruben von mindestens zwölf Kubikmeter, damit sie sich zu gesunden Stadtbäumen entwickeln können. Dies entspricht auch den Vorgaben des Handlungskonzeptes Stadtbäume der Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft, mit dem die Bremer Stadtbäume perspektivisch bessere Standortbedingungen erhalten. Damit können ab der nächsten Pflanzperiode 700 Bäume gepflanzt werden. Aufgeteilt wird das in jeweils rund 350 Straßenbäume sowie 350 in Grünanlagen.
Kathrin Moosdorf, Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft, äußerte sich überaus erfreut über das Volumen der Förderung und die nunmehr gesicherte Bepflanzung: “ In Bremen stehen gegenwärtig rund 75.000 Stadtbäume. Das städtische Grün ist wichtig für eine lebenswerte Stadt. Insbesondere Bäume kühlen den urbanen Raum und sind Lebensraum für zahlreiche Tiere. Daher ist es wichtig, den Baumbestand in Bremen zu pflegen und zu erhalten.“
Bedeutsam sei der Bestand für die Biodiversität, Klima und Beschattung, zugleich aber auch eine soziale Frage, da die Lebensqualität in der Stadt durch die „Grüne Lunge“ gesteigert werde. Insgesamt 500 Bäume habe der Umweltbetrieb Bremen in der Pflanzsaison 2024/2025 aus einem Förderprogramm des Bundes pflanzen können. In der bevorstehenden Pflanzsaison – ab Herbst – wird die Zahl um nochmals 40 Prozent auf 700 erhöht.
Aus fachlich kompetenter Perspektive erläuterte Viola Hellwag die aktuelle Planung als auch die Hintergründe. Symbolhaft wurde die positive Nachricht vor einer vor kurzer Zeit frisch gepflanzeten Zerreiche – Quercus cerris – öffentlich gemacht. Dabei handele es sich gewissermaßen um eine neue Generation von Bäumen. Das Bemühen dahinter ist, sich aufgrund der Resistenz an den Klimawandel anzupassen. Dazu zählten beispielsweise einige Eichen-, Ahorn- oder Eschenarten. Zu beachten sei dabei, dass die Pflanzstellen den Bäumen ausreichend Wurzelraum sowie Kronenraum bereitstellen.
Wo exakt welche und wie viele Bäume gepflanzt werden, ist im jetzigen Status noch nicht letztgültig festgelegt. Zwar besteht eine Planung, doch die Verantwortlichen sind im Austausch mit den Ortsämtern und Stadtteilquartieren, um gemeinsam stimmige Standorte für die Jungbäume auszuwählen. Beachten müsse man dabei, dass mit der reinen Auspflanzung noch nicht viel gewonnen sei. Unabdingbar sei es, dass der Jungbestand regelmäßig bewirtschaftet, kultiviert und insbesondere gewässert wird. Mit den zur Verfügung stehenden Geldern wird die „Entwicklungshilfe“ für fünf Jahre mitfinanziert.
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((Beitragsbild oben v. lks.: Geschäftsführerin UBB Viola Hellwag und Umweltsenatorin Kathrin Moosdorf))




BremenNews - Jörn Petersen






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