57. Bremer Kapitänstag: „Erhalt und Ausbau der Häfen sind eine nationale Aufgabe!“
Zum 57. Mal hat die BHV – Bremische Hafen- und Logistikvertretung e.V. für den Bremer Senat zum traditionellen Kapitänstag eingeladen. Am 6. September trafen sich dazu rund 300 Kapitäne, Vertreter der maritimen Wirtschaft und Politiker in der Oberen Rathaushalle.
Mit dem traditionsreichen Kapitänstag werden seit 1965 die Bremer Kapitäne und Chefingenieure der Schiffe und Flugzeuge dafür geehrt, dass sie Bremen und Bremerhaven zu Wasser und in der Luft mit allen Teilen der Welt verbinden. Traditionell wird den Gästen ein Curryessen serviert, so auch beim 57. Kapitänstag am vergangenen Freitag.
Bremens Häfensenatorin Kristina Vogt, ihr niedersächsischer Amtskollege und diesjähriger Festredner Olaf Lies, Hafenkapitän und Amtsleiter der Port Authority Bremen/Hansestadt Bremisches Hafenamt Stephan Berger, sowie Christoph Bruns, Präsidiumsmitglied der BHV, nahmen ihre Reden zum Anlass, den Bund zum Thema Hafenfinanzierung in die Pflicht zunehmen.
Bremens Häfen haben eine Zukunft
Da die gesamtdeutsche Wirtschaft auf die Seehäfen angewiesen sei, forderte Senatorin Vogt vom Bund eine klare Zukunftsstrategie in Sachen Finanzierung: „Der Anteil, den der Bund uns für die Erfüllung dieser nationalen Aufgabe zukommen lässt, ist daran gemessen viel zu gering.“
Allein in Bremen und Bremerhaven stünden für die Häfen Investitionen im hohen dreistelligen Millionenbereich an – „während alle deutschen Seehäfen zusammen gerade mal 38 Millionen Euro jährlich vom Bund als Hafenlastausgleich erhalten.“
Zudem forderte sie dazu auf, Großprojekte wie die Weseranpassung künftig „weitaus schneller und geräuschloser umzusetzen“. Die wieder steigenden Containerzahlen in Bremerhaven würden deutlich machen, dass Bremens Häfen eine Zukunft haben „– und diese Zukunft müssen wir durch entsprechendes Engagement für unsere Häfen stützen.“
Mehr Menschen für nautische Berufe begeistern
Festredner Olaf Lies stimmte in die Forderung mit ein: „Das Erfordernis einer stärkeren finanziellen Beteiligung des Bundes an den Investitionen in den Seehäfen, die über den seit fast 20 Jahren unveränderten Hafenlastenausgleich deutlich hinausgeht, steht für mich außer Frage.“
Gleichzeitig ging Lies auf die wichtige Rolle der Kapitäne für den Wirtschaftsstandort Deutschland und die zurückgehende Zahl der Patentinhaber ein: „Es ist von entscheidender Bedeutung, wieder mehr Menschen für die nautischen Berufe zu begeistern und zu gewinnen.“
Gerade mit der Einführung von innovativen Systemen und der Integration von Künstlicher Intelligenz in die Schifffahrt „müssen wir sicherstellen, dass unsere Kapitäne bestens vorbereitet sind, um diese Herausforderungen zu meistern.“

Von links: Kai Stührenberg (Staatsrat für Häfen bei der Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation), Stefan Meyer (BHV-Vorstandsmitglied), Petra Lüdeke (BHV-Geschäftsführerin), Jens Juknischke (BHV-Vorstandsmitglied), Hafenkapitän Stephan Berger, Senatorin Kristina Vogt, der Olaf Lies, Christoph Bruns und Christoph Holtkemper (BHV-Schatzmeister). (Foto: M. Bahlo)
Verantwortung gegenüber der nächsten Generation
BHV-Präsidiumsmitglied Christoph Bruns verwies ebenfalls auf die Systemrelevanz der deutschen Häfen und der gesamten maritimen Wirtschaft in Deutschland: „Ob wir es mögen oder nicht, wir leben in einer Zeit permanenten politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels durch externe Einflüsse.
Für unsere Branche bedeutet dies, dass wir entschlossene und kluge Entscheidungen der Bundes- und Landespolitik benötigen – und eben nicht nur schnelle, vordergründige Reaktionen auf aktuelle politische Ereignisse oder Strömungen.“
Ein zentrales Thema ist für Bruns die Umsetzung einer norddeutschen Hafenkooperation, dabei gehe es nicht nur um rein wirtschaftliche Interessen, sondern auch um Nachhaltigkeit und „die Verantwortung, die wir gegenüber kommenden Generationen tragen.“
So möchte die BHV gern mit einer „lebendigen Kooperation“ beginnen. Dafür habe sie bereits die Unterstützung der Bremer Politik gewinnen können. Bruns kündigte in diesem Zusammenhang das neue Messeformat „LogisticsConnect“ für den März 2025 im Congress Centrum Bremen an, zu dem er ausdrücklich auch alle norddeutschen Seehäfen einlud.

Auch der diesjährige Kaptitänstag wurde mit einem traditionellen Curry-Essen begangen. (Foto: M. Bahlo)
Ein kleines Stück heile Welt
Hafenkapitän Stephan Berger nahm die Teilnehmer in seiner Rede gedanklich auf ein großes Piratenabenteuer zu historischen Segelschiffszeiten mit – allerding mit ernstem Hintergrund und direktem Bezug zur Gegenwart: „Auch heute existiert Piraterie, wenn auch in veränderter Form. Die Ursachen dafür liegen vor allem in politischen und wirtschaftlichen Instabilitäten. In Regionen, in denen staatliche Kontrolle schwach oder korrupt ist und wirtschaftliche Alternativen fehlen, greifen Menschen zur Piraterie, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.“
Hinzu kämen kriegerische Konflikte zwischen zwei oder mehreren Ländern, die unbeteiligte Seeleute ebenfalls in die Schusslinie bringen könnten. In diesem Zusammenhang warb der Hafenkapitän um Spenden für die Arbeit der Bremer Seemannsmission, deren Besuch den Seeleuten „immer für eine kurze Zeit ein kleines Stück heile Welt, ohne Piraterie und ohne Sorgen um das eigene Leben“ biete.
Bei der anschließenden Spendensammlung unter den Gästen des Kapitänstags kamen rund 25.000 Euro für die Seemannsmission zusammen.
Bild ganz oben: Seit 1965 werden mit dem traditionsreichen Kapitänstag werden die Bremer Kapitäne und Chefingenieure für ihren Einsatz geehrt.
Foto: M. Bahlo










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