480. Schaffermahl: Bundespräsident Steinmeier über den Erhalt des freien Gemeinwesens

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Am 9. Februar kamen Kapitäne, Schaffer und 100 weitere Gäste aus dem In- und Ausland im Bremer Rathaus zum 480. Schaffermahl zusammen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Ehrengest des Abends, trug sich zuvor in das Goldene Buch der Stadt ein. In seiner anschließenden Rede sprach der Bundespräsident über die Bedeutung von Traditionen in der heutigen Zeit.

Eingangs zitierte Frank-Walter Steinmeier den bayrischen Benediktinerabt Rupert Kornamann, der im Jahr 1810 folgendes schrieb: „Die Begebenheiten unserer Tage häufen sich Schlag auf Schlag und drängen sich schneller als je aus allen Himmelsgegenden in das tobende Weltmeer. […]

Kaum ist eine große Begebenheit vorüber, so sieht man schon der folgenden entgegen. Der Neugierige wird unersättlich; der denkende Mann hat kaum Muße genug, um zu vergleichen.“ Diese Worte, so der Bundespräsident, könnten auch aus der heutigen Zeit stammen, in der sich ebenfalls die globalen Ereignisse nur so überschlagen.

Geschichte verstehen und aus ihr lernen

In Kornamanns Zeiten haben etwa die Französische Revolution, die Herrschaft Napoleons über Europa und die Säkularisation zu Veränderungen geführt. Darüber, dass sein Zitat auch 224 Jahre später nichts an seiner Aktualität eingebüßt hat, hätte sich der Abt laut Steinmeier keineswegs gewundert.

Weiter zitierte der Bundespräsident: „Wenngleich heutzutage außerordentliche Dinge geschehen, so erscheinen sie doch nicht zum ersten Mal auf der Bühne der Welt.“

Mit dieser Aussage habe Kornamann aber keineswegs seine Leser entmutigen wollen. „Er ist kein Fatalist, der glaubt, dass man am Lauf der Welt nichts ändern könne. Er ist vielmehr überzeugt davon, dass es immer richtig und nützlich und geboten ist, sich dem Guten zuzuwenden, sich dem Unheil entgegenzustemmen, sich dem Verbessern der Welt zu widmen.

Er ist aber auch zutiefst davon überzeugt, dass das alles umso besser gelingt, je besser man über die bisherige Geschichte informiert ist. Deswegen schreibt er: ‚Je schärfer der Blick in die Vergangenheit, desto richtiger sieht er in die Zukunft‘“, so der Bundespräsident.

Herausforderungen „gerecht und menschlich, friedlich und frei“ meistern

Im Anschluss ging Frank-Walter Steinmeier auf das historische Schaffermahl und die Bedeutung von Tradition ein: „Täusche ich mich, oder leben wir gerade heute in einer Zeit, in der solche alten, manchmal auch sehr seltsam erscheinenden Traditionen wieder besonders geschätzt werden?“

So würden sich Traditionen durchaus auch wandeln oder verloren gehen. Deshalb mahnte der Bundespräsident angesichts der teilweise durch Krisen und Herausforderungen erzwungenen Veränderungen:

„Nur eines sollten, ja dürfen wir uns nicht nehmen lassen, weil es die einzige Möglichkeit bietet, dass wir gerecht und menschlich, friedlich und frei diese Herausforderungen bestehen: unser demokratisches, unser freies und unser auf Gerechtigkeit und Recht basierendes Gemeinwesen.“

Blick auf Bremen und Aufruf an jeden Einzelnen

Am Ende seiner Rede richtete Steinmeier den Blick direkt auf Bremen: „Hier in Bremen, in dieser Stadt des Welthandels, wissen Sie alle: Nationalistische Abschottung, das Gerede vom Austritt aus der Europäischen Union, Hass auf Menschen mit Migrationsgeschichte – diese Ideologie der Extremisten ist Gift für unser Zusammenleben, für unsere Volkswirtschaft, Gift für Arbeit und Wohlstand. Sie sind eine Gefahr für unser Land und für diese Stadt.“

Um zu erhalten was am freien Gemeinwesen gut ist und um zu verbessern was schlecht ist brauche es jeden einzelnen: „Man sagt es manchmal ja leicht, aber heute ist es mir wirklich ernst: Es kommt auf jede und jeden von uns an.“

 

Bild ganz oben: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Ehrengast der Schaffermahlzeit, trug sich vor Beginn in das Goldene Buch ein. Begleitet wurde er vom Verwaltenden Vorsteher des Haus Seefahrt Henry Lamotte (links) und Bürgermeister Andreas Bovenschulte.

Foto: Senatspressestelle

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