Zu Besuch im legendären Tonstudio Nord – VIDEO + FOTOS

06. 12. 2017 um 16:32:29 Uhr | BremenNews-Redaktion
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Das Studio Nord Bremen (SNB) ist eines der ältesten Tonstudios in ganz Deutschland. Das Gebäude an sich ist schon über hundert Jahre alt, 1966 wurde das ehemalige Tanzlokal in Oberneuland in ein Tonstudio umgebaut. Der Großteil des Equipments ist bis heute funktionstüchtig – und nach wie vor im Einsatz.

Heintje, Rudi Carrell oder Fury in the Slaughterhouse: Im Studio Nord haben bereits viele große Namen Lieder und ganze Alben aufgenommen. In den 1960er Jahren erwarb der Schlagersänger Wolfgang „Ronny“ Roloff ein Tanzlokal in Oberneuland und ließ es in ein Tonstudio umbauen. Der 120 Quadratmeter große Saal wurde in Anbetracht der zukünftigen Nutzung klangtechnisch modifiziert und mit dem dazugehörigem Inventar ausgestattet.

Seit 2013 ist das Studio in neuen Händen

Nach dem Tod von „Ronny“ übernahm Tontechniker und Musikprodzuent Oliver Sroweleit die Räumlichkeiten. Zusammen mit seinem Kollegen Gregor Hennig produziert er seit 2013 Musik in diesem Studio. Für die beiden ein Traumjob: „Ich könnte mir keinen anderen Beruf vorstellen. Oftmals ist es zwar durch das Business stressig, dennoch macht es mir viel Spaß“ erklärt Sroweleit. Schon der erste Blick in den riesigen Aufnahmeraum macht deutlich: Hier gibt es nichts, was es nicht gibt.

Jahrzehnte alte Mikrofonsammlung

Hunderte Kabel, dutzende Gitarren, verschiedene Klaviere. Das Herzstück: die riesige Mikrofonsammlung, teilweise aus den Zeiten von Leni-Riefenstahl-Filmen. „Aufnahme- und Mikrofontechnik kam während des zweiten Weltkriegs kurz hinter der Weltraumforschung“, erklärt Georg Hennig. Die hochwertigen und seltenen Mikrofone sind Jahrzehnte alt, funktionieren aber noch einwandfrei. „Jedes Mikrofon erzeugt einen eigenen, individuellen Klang“, sagt Sroweleit.

Ins Auge fällt auch direkt die Bühne, auf welcher während der Tanzlokalzeiten die musizierende Band spielte. Konzerte gibt es nur noch vereinzelt im Gebäude. Vor der Bühne steht auch ein Vintage-Klavier. Als Hennig kurz darauf spielt, hallt der typische Saloon Klang eines jeden Cowboy-Films durch den 120 Quadratmeter großen Saal. „Die Tasten wurden mit Reißzwecken ausgestattet um das Klavier lauter zu machen, Verstärker gab es damals noch nicht“, erklärt er.

Museum und Studio in einem

Im Eingangsbereich des zweiten Aufnahmeraums steht ein originales Röhrenpult aus den 50er Jahren. Wie der Großteil des Inventars funktioniert auch dieses Pult ohne Probleme. „Wir haben quasi ein Tonstudio und Museum in einem“, so Sroweleit. Schallwandlersysteme, Bandmaschinen oder alte Outboards – im Studio Nord steht vieles, was das Herz eines Musikproduzenten höher schlagen lässt.

Seit den 90er Jahren produzieren Sroweleit und Hennig schon Musik. Die Entwicklung der Musikbranche in den letzten Jahren sehen sie kritisch. „Früher gab es in der Musikbranche viel Geld, heutzutage wurde es für weniger. Früher hatten die Musiker eine Vision, heutzutage ist vieles kommerzieller designed. Man versucht zwanghaft Hits zu machen“. Radio hören beide daher nur noch selten. Hennig spielt selbst Musik in einer Band, Sroweleit hat in seiner Teenagerzeit Schlagzeug in einer Punkband gespielt. Das gab er jedoch auf und produzierte lieber Musik. „Ich spiele kein Instrument, mein Instrument ist das Mischpult.“

Nicht nur Musikalben werden in der Mühlenfeldstraße in Oberneuland aufgenommen. Zuletzt entstand im Tonstudio auch ein Kinderhörspiel. Der nächste Künstler im Studio ist Heinz Rudolf Kunze („Dein ist mein ganzes Herz“). Zwei Künstler, die Sroweleit einmal gerne aufnehmen würde: „Die Foo Fighters und U2. Das könnte aber schwierig werden an die ran zu kommen…“
 

 

Einen Eindruck vom Tonstudio gibt es in unserer Galerie:





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