Haftstrafe für Stolberg gefordert – Staatsanwaltschaft und Verteidigung sind sich uneinig

20. 07. 2017 um 11:22:08 Uhr | BremenNews-Redaktion
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In dem seit rund eineinhalb Jahren laufendem Wirtschaftsstrafprozess, um die Pleite der Schwergutreederei Beluga unter dem ehemaligen Chef Niels Stolberg, hat das Landgericht Bremen heute, 20. Juli, um 9.30 Uhr Zwischenergebnisse präsentiert. Zur Beschleunigung des Prozesses möchte das Landgericht Anklagepunkte fallen lassen, deren Beweisaufnahme noch nicht abgeschlossen ist. Statt der Urteilsverkündung hat das Gericht lediglich einen Vorschlag für den Umfang der Bestrafung Stolbergs geliefert. Stolberg soll für einen Zeitraum zwischen 3 Jahren und 6 Monaten und 3 Jahren und 9 Monaten ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung Stolbergs haben bis Ende August Zeit, diesen Vorschlag zu prüfen.

“Nach einer so langen Beratungszeit nur einen Vorschlag zu präsentieren und Anklagepunkte aufgrund einer möglichen Beschleunigung des Prozesses fallen zu lassen, ist sehr ungewöhnlich”, sagt der Pressesprecher des Bremer Landgerichts Helmut Kellermann. Jedoch seien die Krankheit Stollbergs und die Komplexität des Falles auch besonders. Aktuell befindet man sich bereits beim 52. Verhandlungstag und die immer weiter steigenden Gerichtskosten und die lange Dauer des Prozesses belasten alle Parteien. Die Richterin Monika Schäfer sagt: “14 Fälle der Untreue gegenüber des amerikanischen Investors Oaktree sind noch nicht bearbeitet und weitere Vorwürfe sind noch zu prüfen. Abgeschlossen sind die Beweisaufnahmen zum Kreditbetrug zum Nachteil von Oaktree und der Untreue zum Nachteil eines Kommanditisten.”Wenn weitere Fälle final bearbeitet werden müssen, würde sich der Prozess bestimmt um weitere zwei Jahre hinziehen und wir sprechen hier maximal über eine Verlängerung der Haftstrafe um ein Jahr. Da stimme ich zu, dass man hinterfragen muss, ob dieser Aufwand notwendig ist”, sagt Kellermann.
 

Trotzdem ist noch kein Ende in Sicht

“Für uns kommt nur eine Bewährungsstrafe in Frage, das Landgericht hat seinen Vorschlag nicht begründet. Der Vorschlag ist für uns inakzeptabel. Die Gesundheit Stolbergs hat für uns oberste Priorität. Aus meiner Sicht haben wir die bessere Verhandlungsposition”, sagt der Verteidiger Dr. Gross von Stolberg. Die Staatsanwaltschaft fordert dagegen 4 bis 5 Jahre Haft für Stolberg. Die Standpunkte der beiden Parteien könnten kaum unterschiedlicher sein. Dass der Vorschlag des Landgerichts zu einem erfolgreichen Ergebnis und zu der Beendigung des Prozesses führt, scheint fraglich.
 

Der Mensch Stolberg

Nach diesen ganzen Vorwürfen fragt man sich, was ist Stolberg für ein Mensch – ein Windhund oder ein Wohltäter. Früher war er allseits beliebt und galt als Vorzeigeunternehmer. Stolbergs Anwalt Bernd Buchholz bekräftigte in der Vergangenheit vor der Presse: „Seien Sie milde mit diesem Mann, für den die letzten sechseinhalb Jahre eine Strafe waren, der alles verloren hat, auch seine Gesundheit, der die Verantwortung für seine Fehler tragen muss und will.“ Wegen einer schweren Erkrankung Stolbergs wurde der Prozess mehrfach unterbrochen und die Verhandlungstage verkürzt. Es gibt immer noch Facebook-Gruppen wie „The Spirit of Beluga Niels Stolberg“ oder Blogs, wo regelrechte Stolberg-Fans ihre Dankbarkeit für sein ehrenamtliches Engagement äußern. In Elsfleth oder auf seiner Lieblingsinsel Spiekeroog, auf der er unzählige Immobilien gekauft hat, bleibt vieles von Stolberg erhalten. Auch in Bremen gibt es weiterhin die Kita „Entdeckerinsel“ auf dem Bremer Teerhof, die er errichtet hat.
 

Die weiteren Angeklagten

Neben Stolberg sind drei weitere angeklagte Manager der Beluga-Reederei im Saal des Landgerichts gewesen. Sie werden beschuldigt, Stolberg Beihilfe geleistet zu haben und sind selbst wegen Fällen der Bilanzfälschung und Untreue angeklagt. Für sie hat das Landgericht Haftstrafen zwischen acht Monaten und knapp zwei Jahren vorgeschlagen. Auch hier hat die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung der Angeklagten bis Ende August Zeit die Vorschläge zu prüfen.
 
Foto oben: (v.l.) Niels Stolberg mit seinem Verteidiger Dr. Gross





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